Pflanzenschutz

BdB: Pflanzenschutz als Qualitätsmerkmal

Auf die aktuelle Situation im Pflanzenschutz (siehe Artikel TASPO 13/11) will der Bund deutscher Baumschulen (BdB) mit verschiedenen Maßnahmen reagieren. Forcieren will er unter anderem die Qualitätsprüfung zur „Deutschen Markenbaumschule“.

Bereits vor zwei Monaten hatte der Verband beschlossen, diese Qualitätsprüfung massiv aufzuwerten. Unter anderem könnte es zu einer bei der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkks akkreditierten Zertifizierung kommen. Hier sind auch Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen vorgesehen.

Der Pflanzenschutz ist schon jetzt ein wichtiger Bestandteil der Qualitätsprüfung. Niels Sommer, Pflanzenschutzreferent beim BdB: „Mit der Aufwertung der Qualitätsprüfung soll dieser Bereich künftig stärker bewertet werden.“ In diesem Zusammenhang ist vorgeschlagen worden, dass der Landhandel ebenfalls ein Zertifikat als „Deutscher Markenhändler“ entwickelt, um im Handel mit Pflanzenschutzmittel für die Käufer und Anwender mehr Sicherheit herzustellen.

Sommer appelliert an die Inhaber von Haupt- und Ehrenämtern der jeweiligen BdB-Landesverbände, Gespräche mit dem amtlichen Pflanzenschutzdienst aufzunehmen und Kontakte zu pflegen. Problem: Mit seinen Maßnahmen erreicht der BdB auch nur seine Mitgliedsbetriebe, also rund 75 Prozent der Baumschulen bundesweit.

Ein abweichendes Verhalten, so Sommer, sei dagegen häufig bei Nicht-Mitgliedern anzutreffen, wie auch amtliche Pflanzenschutzdienste bestätigten. Ähnliche Probleme durch nicht-organisierte Händler bestätige auch der organisierte Pflanzenschutzmittel-Handel.

Um mit der zunehmenden Pflanzenschutzmittel-Knappheit klar zu kommen, sollten Baumschulen in Zukunft mehr auf integrierten und nachhaltigen Pflanzenschutz setzen. Das meint Karl Friedrich Ley, Mitinhaber der Baumschule Ley in Meckenheim und Vorsitzender des BdB-Ausschusses „Produktion und Umwelt“. Den Baumschulen ständen nach wie vor nicht genügend Pflanzenschutzmittel zur Verfügung.

Im Standard-Pflanzenschutz sei es beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass Mittel, die für den Einsatz in rückstandsrelevanten Kulturen, beispielsweise Fungizide in Getreide, zugelassen seien, bei Gehölzen nicht eingesetzt werden dürften. Auch für die Bekämpfung von Schädlingen, die Quarantäne-Krankheiten übertragen, wie dem Birnenblattsauger, stehe kein Insektizid zur Verfügung.

Hauptsorge der Produzenten sei es deshalb, eine in jeder Hinsicht hochwertige Pflanzenproduktion aufrechtzuerhalten, ergänzt Renke zur Mühlen, Inhaber der Bad Zwischenahner Baumschule zur Mühlen und Vorsitzender des BdB-Landesverbandes Weser-Ems.

Seine Empfehlungen angesichts der auch künftig verstärkten Kontrollen der Pflanzenschutzämter: Aufzeichnungspflichten, Spritzen-TÜV und die Beschränkungen bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln genau zu beachten. „Außerdem raten wir dringend, die Regelungen des Paragraf 18b (Einzelfallgenehmigungen in den Ländern) einzuhalten.“

Zu kritisieren sei hier aber die unterschiedlichen Handhabungen in den einzelnen Bundesländern bei der Umsetzung des Paragrafen 18b mit teils enormem Verwaltungsaufwand und damit verbundenen Kosten. „Die Verantwortlichen des amtlichen Pflanzenschutzes sehen wir deutlich in der Pflicht. Kontrollen sind sicher notwendig. Vorab muss der amtliche Pflanzenschutz die Anwender allerdings über die ständigen Änderungen informieren“, kritisiert zur Mühlen. Sorge bereite vor allem die Nachfolgeregelung für Paragraf 18b.

Die Betriebe sollten auf jeden Fall ordnungsgemäß mit Pflanzenschutzmitteln umgehen, sich unbedingt im legalen Bereich bewegen, rät Ley. Wer Schwierigkeiten mit der Bekämpfung von Schadorganismen habe, sollte sich an den amtlichen Pflanzenschutzdienst oder seinen Baumschulberater wenden.

„Beim Einkauf vom Pflanzenschutzmitteln kann ich nur raten, den eigenen Pflanzenschutzmittelhändler immer wieder und intensiv auf die Problematik der Pflanzenschutzmittelimporte und -plagiate hinzuweisen, da beim Kauf eines nicht zugelassenen Mittels die Haftung bei der Anwendung auch auf die Baumschule als Käufer übergeht.“ Der Baumschulinhaber sollte eingekaufte Ware in jedem Fall noch einmal selbst anhand der JKI-Liste auf Zulassung überprüfen. Das sei ein Mehraufwand – aber extrem wichtig.

Das Thema Lückenindikation sei bei den übergeordneten Verbänden wie dem BdB-Bundesverband, dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) und den entsprechenden Ausschüssen in guten Händen, so Ley. Von Seiten der Landesverbände setze man genauso wie der Bundesverband auf regelmäßige Weitergabe des aktuellen Wissenstandes – der BdB geht mit dem Thema Pflanzenschutz sehr offen um.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Bundesfachgruppe Obstbau, „die haben fast identische Probleme wir wir.“ Integrierter Pflanzenschutz lasse sich in der Praxis zum Teil sehr gut umsetzen, so Leys Erfahrungen.