Pflanzenschutz

Bienenvölker: Drohender Rückgang

Ein gutes Viertel der Bienenvölker in deutschen Landen wird nach dem Winter 2007/2008 verschwunden sein, so die Prognose der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung. Das wären 600.000 bis 800.000 Bienenvölker mit bis zu 13 Milliarden Bienen. Die Folgen wären unabsehbar, denn die Bienen sind ja nicht nur Honigproduzenten, sie bestäuben auch mehr als 80 Prozent des deutschen Obst- und Gemüseanbaus, dazu noch Wildblüten. Dr. Elke Genersch vom Länderinstitut für Bienenkunde Brandenburg macht dafür vor allem die Varroa-Milbe verantwortlich. Der Parasit konnte sich im letzten Jahr ungewöhnlich gut vermehren, so Dr. Genersch, weil das Wetter eine erfolgreiche Bekämpfung erschwert hat, zum Beispiel durch die feuchte Witterung im Spätsommer. Winter mit Völkerverlusten in der Größenordnung von rund 30 Prozent kommen immer wieder vor, zuletzt erst 2002/2003. Doch nicht immer sei die Varroa-Milbe der Übeltäter. Den Bie-nen droht vielerlei Ungemach: Nosema- Einzeller verursachen Durchfall-Erkrankungen. Sind die Winter lang und kalt können die Bienen keinen Reinigungsflug unternehmen und müssen ihre Ausscheidungen in der Kotblase speichern. In trachtarmen Jahren können sie zu wenige Wintervorräte sammeln. Darüberhinaus können Pflanzenschutzmittel, und hier besonders Insektizide, die Bienenpopulationen schädigen, wenn sie unsachgemäß angewendet werden. Sie dürfen zum Beispiel nicht in blühende Kulturen ausgebracht werden. "Die Bestäubungsleistungen müssten finanziell stärker honoriert werden", fordert Dr. Genersch deshalb, "wenn man davon ausgeht, dass die Apfelerträge ohne Bienen um bis zu 70 Prozent einbrechen können, sind das schon erhebliche Leistungen der Bienen für die Gesellschaft".