BMEL: Absatz an Pflanzenschutzmitteln gesunken

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Beim Absatz von Pflanzenschutzmitteln sei seit 2012 ein Abwärtstrend erkennbar. Das geht aus dem Jahresbericht des BVL hervor. Foto: Franz W. / Pixabay

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am heutigen Mittwoch gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Friedel Cramer den Jahresbericht zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln vorgestellt. Ein seit einigen Jahren rückläufiger Trend wird damit bestätigt.

Abwärtstrend seit 2012 weiter bestätigt

Laut des vorliegenden Berichts sei die Menge an verkauften Pflanzenschutzmitteln im Inland im Vergleich zum Vorjahr um etwa 6,7 Prozent gesunken. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die trockene Wetterlage. Der Absatzrückgang ist weitgehend auf die geringere Nachfrage nach Herbiziden (Rückgang um 6,5 Prozent) sowie Fungiziden (Rückgang um 10 Prozent) zurückzuführen. Als besonders erwähnenswert sei der Rückgang an Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat, denn hier sei der Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Prozent geringer ausgefallen. Insgesamt werde der generelle Abwärtstrend, der für Herbizide im Allgemeinen und Glyphosat im Speziellen seit 2012 zu beobachten ist, weiter bestätigt.

 „So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich, so viel wie nötig“

„Unser Ziel ist, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer weiter zu reduzieren und gleichzeitig Ernten zu sichern. Das tun wir, indem wir etwa die Forschung im Bereich nicht-chemischer Alternativen massiv fördern. Auch treiben wir den Ausbau der Präzisionslandwirtschaft voran, um den Einsatz noch präziser zu gestalten und dadurch zu minimieren. Neue Pflanzenzüchtungen – beispielsweise im Weinbau – die mit bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutz auskommen, sind ein weiterer Baustein. So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich, so viel wie nötig – darum geht es mir. Mit Augenmaß und auf Basis von Fakten und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die aktuellen Zahlen und auch der Trend der vergangenen Jahre zeigen, dass wir hier auf einem guten Weg sind“, zeigte sich Klöckner zufrieden mit den Ergebnissen.

„Notwendigkeit des chemischen Pflanzenschutzes von Witterung abhängig“

„Der Rückgang beim Absatz von Pflanzenschutzmitteln in den letzten Jahren ist sehr erfreulich. Die Schwankungen zwischen einzelnen Jahren deuten darauf hin, dass die Notwendigkeit des chemischen Pflanzenschutzes auch von der Witterung abhängt und die Landwirte dem Rechnung tragen. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Unbedenklichkeit von Pflanzenschutzmitteln sind diese mit den Jahren immer besser geworden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung prüft vor der Zulassung, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren zu befürchten sind. Das Umweltbundesamt ist dafür zuständig, dass Pflanzenschutzmittel keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben“, ergänzte Cramer.

ZVG fordert europäische Einheitlichkeit bei Zulassungen

„Die Branche arbeitet seit Jahren daran, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln möglichst klein zu halten“, betont Dr. Hans-Joachim Brinkjans, stellvertretender ZVG-Generalsekretär. Durch den Einsatz gezielt wirkender Mittel, Abdriftminderung und Anwenderschutz werden laut ZVG die unerwünschten Einflüsse auf die Umwelt möglichst klein gehalten. Angesichts von Klimaveränderungen und neuen invasiven Schädlingen fordert der Verband hingegen, dass die gärtnerischen Betriebe aber handlungsfähig bleiben müssen. Etliche zentrale Schaderreger können demnach zurzeit nur über Notfallzulassungen bekämpft werden, die jeweils sehr kurzfristig und für Produzenten nicht planbar ausgesprochen werden, führt Brinkjans weiter aus, was die Betriebe mit Sorge erfülle. Die innereuropäischen Differenzen bei den Zulassungen wiederum treffen beim ZVG auf Unverständnis, hier fordere man eine einheitliche Pflanzenschutzmittel-Zulassung.

DBV bewertet Entwicklung positiv

Auch beim Deutschen Bauernverband (DBV) betrachtet man die rückläufige Entwicklung beim Absatz von Pflanzenschutzmitteln als positiv, mahnt aber gleichzeitig die Notwendigkeit von ausreichend Pflanzenschutz an. „Der Rückgang um weitere 7 Prozent belegt, dass wir auf einem guten Weg sind, Pflanzenschutzmittel gezielter und effizienter einzusetzen. Pflanzenschutz ist notwendig, um Ernten und Qualitäten abzusichern und Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten – im klassischen und im ökologischen Anbau. Um Krankheiten und Schädlinge wirksam bekämpfen zu können, brauchen wir eine breite Palette an Wirkstoffen auch um Resistenzen zu vermeiden. Wir Landwirte passen den Einsatz der Mittel sehr bewusst und zielgenau den Herausforderungen an und müssen im Notfall schnell reagieren können. Eine pauschale Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, wie von Teilen der Politik gefordert, ist daher aus unserer Sicht unsinnig und auch unnötig“, erklärt Joachim Rukwied, Präsident des DBV.

BÖLW äußert Kritik

„Ist es extrem trocken und heiß, müssen weniger Pestizide gespritzt werden. Dass die Absatzzahlen von Pestiziden in trockenen Jahren sinken, ist deshalb erwartbar. Pro Hektar kamen in den vergangenen 25 Jahren allerdings immer mehr Pestizide auf unsere Äcker. Denn die tatsächlich gespritzte Fläche schrumpfte von Jahr für Jahr. Vor allem deshalb, weil Bio-Bauern heute fast 10 % der deutschen Agrarfläche ökologisch bewirtschaften, 1995 waren es noch 1,5 %. Und auf 95 % der Öko-Fläche spritzen Bio-Bauern überhaupt keine Pflanzenschutzmittel. Insgesamt schrumpfte die Fläche, auf denen Pestizide gespritzt werden, seit 1995 um über 1,6 Millionen Hektar. Dass mehr Ökolandbau das einfachste Mittel für weniger Pestizide ist, haben zwar alle erkannt. Deshalb kombiniert die EU-Kommission ihr Pestizid-Reduktions- mit einen 25 %-Bio-Ziel. Auch die Bundesregierung strebt 20 % Öko an. Aber: Wenn auf den anderen Flächen alles so bleibt, wie es ist, wird das Artensterben nicht gestoppt. Die Natur muss dringend entlastet werden und zwar auf allen Äckern, Wein- oder Obstflächen“, fordert hingegen Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

BMEL unterstützt Forschung nach Alternativen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln daher unter anderem Projekte, die biologische und nicht-chemische Alternativen zu Pflanzenschutzmitteln entwickeln. Im Zeitraum von 2017 bis 2023 seien hierfür mehr als 23 Millionen Euro vorgesehen. Für Projekte zur generellen Reduktion von Pflanzenschutzmitteln stehen fast 14,5 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 17 Millionen Euro entfallen auf das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Der vollständige Jahresbericht kann unter diesem Link heruntergeladen werden.