Pflanzenschutz

Das modernste Bio- Gewächshaus in Groß-Aga

Es ist das kleinste und in seiner Art modernste 10.000-Quadratmeter-Bio-Gewächshaus in Europa, in Groß-Aga bei Gera im Namen der Ortsvereinigung Lebenshilfe Gera Stadt/Land gebaut wird. Hier wachsen Gurken und Tomaten in Erde und können jetzt im Juni erstmals geerntet werden – und das nach der EHEC-Krise. Die Energie liefert eine Biogasanlage, gefüttert mit dem Kot von 12.000

Carolin Ullrich leitet den Biohof Aga mit seinem neuen Gewächshaus. Für alle Belange der Technik ist Christian Tulke-Kühn verantwortlich.Foto: Dietrich Baumann

Die 42 Arbeitskräfte, die in den Gurken- und Tomatenquartieren arbeiten, sind geistig oder psychisch behindert. Es ist alles nicht einfach, sagt die Leiterin der Anlage, Carolin Ullrich. Sie studierte Gartenbau in Dresden-Pillnitz, aber den Willen, gute Arbeit zu leisten, haben sie alle, und sie kommen auch klaglos, wenn am Samstag gepflanzt werden muss. Derzeit erhalten diese Mitarbeiter neben ihrer Grundvergütung „etwas dazu“, sagt Ullrich, aber das Ziel lautet, dass sie mit ihrem Einkommen aus Arbeit selbstständig leben können.

Das ganze Projekt in Groß-Aga bei Gera, das im Namen der Ortsvereinigung Lebenshilfe Gera Stadt/Land gebaut wird (die Vermarktungseinrichtungen sind noch nicht ganz fertig), steht unter dem Wort „Bio“. So wachsen die Tomaten und Gurken in Erde, die den Anforderungen des ökologischen Anbaus entspricht – die Umstellungszeit wurde exakt eingehalten –, die Düngung erfolgt in diesem Sinn, zur Schädlingsbekämpfung werden Nützlinge eingesetzt. Die erforderliche Wärme bezieht das Haus aus einer Biogasanlage in unmittelbarer Nachbarschaft, die auf ökologischer Basis derzeit 12.000 Legehennen hält.

Weitere Tausend werden noch dazukommen. „Gefüttert“ wird die Biogasanlage mit dem Hühnerkot, sowie pflanzlicher Substanz aus dem Betrieb. Unsere Bio-Eier sind gut nachgefragt, sagt die Chefin des 200 Hektar-Betriebes, Rosemarie Ullrich, den Strom aus dem Blockheizkraftwerk verkaufen wir an den Energiebetrieb Eon, die Wärme geht in die Gewächshausanlage. Es ist ein komplexer Bio-Kreislauf. Der Venlo-Block, gebaut von der holländischen Firma Gacon, ist 6,50 Meter hoch, 95 Meter breit und 120 Meter lang.

Die „Verglasung“ der Gewächshausanlage besteht aus Polycarbonat-Hohlkammerplatten. Das „ankommende“ Licht ist diffus (Streulicht), es gibt keine Schatten. Zum wärmeerhaltenden System zählen auch zwei Energieschirme. Durch eine mobile Kunststoffwand werden die Bereiche Tomaten und Gurken getrennt und können individuell klimatisiert werden – natürlich computergesteuert. Alle verwendeten Materialien sind biologisch abbaubar. Seit Anfang Mai wurden Gurken gepflanzt, ab Mitte Juni kommen die Rispen-Tomaten in die Erde. Produziert wird bis Ende Dezember. Um den Abkauf der Ware muss sich Ullrich keine Sorgen machen. „Wir liefern beste Bio-Qualität, sind nach QS zertifiziert und haben schon viele Anfragen von Naturkostenläden und anderen Vermarktern“.

EHEC war für das Bio-Gewächshaus kein Thema. Tomaten wurden noch nicht geerntet, die kamen erst im Juni in die Erde und die Gurken gingen weg wie warme Semmeln. Die Förderung des 2,6 Millionen Euro teuren Objektes erfolgte durch den Europäischen Landschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, sowie das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz. Die Thüringer Aufbaubank, die den Fördermittelantrag der Lebenshilfe bearbeitete, schöpfte für dieses Projekt alle Fördermöglichkeiten aus. Ab Anfang Juni sind die ersten Bio-Salatgurken auf dem Markt. Sie wurden am „hohen Draht gezogen“ – also bis in vier Meter Höhe. Die Erntewagen fahren auf Schienen. Die Verbraucher werden entscheiden, wie gut die Bio-Ware gehen wird. (bau)