Pflanzenschutz

Erster „Nationalerbe-Baum“ ernannt

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Die Deutsche Dendrologische Gesellschaft (DDG) hat durch ihre Initiative „Nationalerbe-Baum“ mit einer Sommer-Linde in Heede den ersten Baum als Nationalerbe ausgerufen. 99 weitere sollen noch folgen.

Die Sommer-Linde in Heede ist erster Nationalerbe-Baum. Foto: A. Roloff

Sommer-Linde mit 17 Metern Stammumfang

Die Sommer-Linde im emsländischen Heede ist bereits ein betagter Baum und hat in seinem Leben schon viel miterlebt. Mit insgesamt 17 Metern Stammumfang ist die Linde der dickste vollstämmige Baum Deutschlands und mit einem Alter von etwa 600 bis 800 Jahren ein äußerst seltenes Exemplar der langlebigen Baumarten. Anfang Oktober wurde die Sommer-Linde nun als erster „Nationalerbe-Baum“ von der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) ausgerufen. „Es ist beeindruckend sich klarzumachen, dass diese Bäume über so lange Zeiträume alle Ereignisse und Veränderungen von Standort, Umfeld und Klima tolerieren können müssen. Demzufolge darf man bei ihnen auch von einem besonders hohen Anpassungspotenzial ausgehen, auch im Hinblick auf den aktuellen Klimawandel“, sagt Prof. Dr. Andreas Roloff von der TU Dresden, Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume der DDG, „wir müssen alles daransetzen, sie der Nachwelt zu erhalten“.

Ziel der Initiative sind 100 Bäume

Das Kuratorium der Initiative Nationalerbe-Bäume der DDG hat es sich zum Ziel gesetzt, insgesamt 100 Nationalerbe-Bäume zu benennen. Kriterien dafür seien laut Mitteilung der DDG entweder ein Stammumfang mit über 400 cm und ein Alter von möglichst über 400 Jahren. Diese möchte man erhalten, pflegen und schützen, um sie in Würde altern zu lassen. Grund dafür sei, dass es in Deutschland nur sehr wenige wirklich alte Bäume gebe. Laut DDG womöglich keinen einzigen über 1000 Jahre. Gründe dafür sehe die DDG darin, dass die deutsche Sicherheitserwartung inzwischen zu hoch geworden sei. Um Gehwege, Straßen und öffentliche Plätze und Orte sicher zu machen, werden zu viele dieser Bäume verstümmelt oder gekappt. Hinzu kommen sonstige Stress-Einflüsse, die zur vorzeitigen Alterung, bis hin zum Absterben führen.

Pflege und Schutz der Bäume aus Sondermitteln

Die ausgezeichneten Bäume sollen eine besondere Pflege und speziellen Schutz erhalten, soweit das als sinnvoll und notwendig erscheint. Finanziert und gefördert werde das aus Sondermitteln, erklärt die DDG in ihrer Meldung. Bisher sind 7 Bäume vom Kuratorium als Kandidaten ausgewählt worden. Der Sommer-Linde in Heede sollen in diesem Jahr noch ein Ginkgo in Jahnishausen bei Riesa (am Samstag, dem 19. Oktober um 14 Uhr) und eine Eibe in Flintbeck bei Kiel (am Sonntag, dem 27. Oktober um 10 Uhr) als Nationalerbe-Bäume folgen.

Meldung von Uralt-Bäumen über Website

Uralt-Bäume, die für die Initiative von Interesse sein könnten und die eines besonderen Schutzes bedürfen, können über die Website der Initiative gemeldet werden. Die oben angeführten Kriterien für eine Ernennung zum Nationalerbe-Baum seien allerdings zwingend notwendig. „Bäume dieses Alters optimieren ihre Lebens- und Wachstumsprozesse in ganz besonderer Weise selbst. Sie sind daher – zum Beispiel in ihrer Baumbiologie, Genetik und Pathologie – auch für die Wissenschaft hochinteressant. Die Zeit ist reif, solche Uralt-Bäume zu schützen, um ihnen damit ein Altern in Würde zu ermöglichen“, fasst Roloff zusammen.