EU legt strengere Vorschriften für Pflanzenschutzmittel vor

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Die EU-Kommission hat strengere Vorschriften vorgeschlagen. Foto: Dimitris Vetsikas/Pixabay

Die EU-Kommission will den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln weiter beschränken und hat deshalb strengere Regeln im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln vorgeschlagen. Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) äußerte bereits Kritik am Vorhaben.

Bisherige Vorschriften ohne erhofften Erfolg

Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel geht langsam zurück, doch wie wir bereits vor Kurzem berichteten, geht dieser Rückgang der EU-Kommission zu langsam. Die Kommission kündigte daher strengere Vorschriften an, die nun veröffentlicht wurden. Man wolle damit den European Green Deal und die „Farm to Fork“-Strategie stärken und den Aufbau nachhaltiger Lebensmittelsysteme vorantreiben. Wie die Kommission betont, haben sich die geltenden Vorschriften als „nicht streng genug“ erwiesen und wurden nicht überall in gleichem Maße umgesetzt. Auch beim integrierten Pflanzenschutz und anderen alternativen Konzepten seien keine hinreichenden Fortschritte erzielt worden, heißt es. 

Chemische Mittel als letzte Option

Man wolle nun die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 um die Hälfte reduzieren. Den Mitgliedstaaten werde es überlassen, eigene nationale Reduktionsziele innerhalb vorgegebener Parameter festzulegen. Mit neuen Maßnahmen soll zudem sichergestellt werden, dass alle beruflichen Verwender von Pflanzenschutzmitteln die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes einhalten. Zunächst solle stets auf alternative umweltfreundliche Methoden zur Schädlingsprävention und -bekämpfung zurückgegriffen werden. Erst als letzte verbleibende Option soll der Einsatz chemischer Mittel erlaubt werden. Die Verwendung von Pestiziden an Orten wie städtischen Grünflächen, einschließlich öffentlicher Parks und Gärten, Spielplätzen, Schulen, Freizeit- und Sportplätzen, öffentlichen Wegen und Natura-2000-Schutzgebieten sowie in allen ökologisch empfindlichen Gebieten soll generell verboten werden.

„Müssen den Einsatz chemischer Pestizide verringern“

„Wir müssen die Art und Weise, in der wir in der EU mit Pestiziden umgehen, ändern. Es geht um die Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger und unseres Planeten. Mit diesem Vorschlag erfüllen wir die Erwartungen unserer Bürgerinnen und Bürger und kommen den in der Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ gemachten Zusagen nach, für eine nachhaltigere und gesunde Lebensmittelerzeugung zu sorgen. Wir müssen den Einsatz chemischer Pestizide verringern, um Boden, Luft und Lebensmittel und so letztlich die Gesundheit der Menschen in der EU zu schützen. Zum ersten Mal wird der Einsatz von Pestiziden in öffentlichen Gärten und auf Spielplätzen verboten und damit sichergestellt, dass wir alle im Alltag weniger damit in Berührung kommen. Die Gemeinsame Agrarpolitik wird Landwirte über einen Zeitraum von fünf Jahren finanziell unterstützen, damit sie alle infolge der neuen Vorschriften anfallenden Kosten decken können. Wir werden niemanden im Stich lassen“, erklärt Stella Kyriakides, Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EU-Kommission.

ZVG äußert Kritik

Besorgt hat der ZVG auf die Vorlage der EU-Kommission für eine neue Verordnung zur nachhaltigen Anwendung von Pestiziden reagiert.„Die […] Regelungen werden dazu führen, dass unseren Gartenbaubetrieben in Zukunft noch weniger und vor allem kaum wirksame Pflanzenschutzmittel im Rahmen einer funktionierenden Strategie des Integrierten Pflanzenschutzes zur Verfügung stehen werden“, sagt ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer. Zwar befürworte man eine Reduktion aus Gründen des Gesundheitsschutzes, doch eine Reduzierung um 50 Prozent sei in den gartenbaulichen Sonderkulturen nicht erreichbar. „Diese pauschalen Vorgaben sind, wenn sie so umgesetzt werden, ein weiterer Grabstein für die regionale Produktion“, so Fleischer. Vielmehr müsse sichergestellt werden, dass ausreichend wirksame, sichere und erschwingliche Alternativen in einem umfassenden und praktikablen Konzept des Integrierten Pflanzenschutzes verfügbar sind. Eine Risikominderung müsse mehr in den Fokus gerückt werden.