EU-Pflanzenpass in der Kritik: Viel Aufwand, kaum Nutzen?

Veröffentlichungsdatum:

Kleiner Aufdruck mit großem Aufwand: der EU-Pflanzenpass. Foto: Katrin Klawitter

Bis zum 14. Dezember muss die EU-Kommission eine Evaluierung zum neuen Pflanzengesundheitssystem inklusive einer klaren Kosten-Nutzen-Analyse für die Unternehmen vorlegen. In den Bericht sollen auch die Erfahrungen der Grünen Branche mit der Ausweitung der Pflanzenpass-Regelung einfließen. Nach dem, was der TASPO bisher an Stellungnahmen aus der Branche vorliegt, kommt das Pflanzenpass-System dabei nicht gut weg.

ZVG: „System wurde deutlich aufgebläht“

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) sieht weiterhin Nachbesserungsbedarf: Nach Einschätzung des Verbands stellt die von der Kommission angestrebte Harmonisierung keine wirkliche Erleichterung dar. „Weder das harmonisierte Format des Pflanzenpasses noch die Anforderungen an das Anbringen haben einen positiven Effekt auf die Pflanzengesundheit gebracht, dafür allerdings einer Vielzahl von Betrieben zusätzlichen Aufwand und Kosten beschert.“ Die Neuerungen hätten die Nachverfolgbarkeit zum Schutz vor neuen Schadorganismen nicht verbessert. Insbesondere die Ausweitung der Regelungen bis zum Endverbraucher bringe nicht mehr Sicherheit, sondern eine deutliche Aufblähung des Systems. Zudem seien nach den neuen Regelungen jetzt alle Pflanzen zum Anpflanzen von der neuen Regelung betroffen. Gerade im Zierpflanzenbau seien dadurch nun mehrere tausend Arten von der Passpflicht betroffen. Deshalb fordert der ZVG eine deutliche Verschlankung der Regelungen im Sinne der Unternehmen ein, ohne die Pflanzengesundheit dadurch in Frage zu stellen.

Landgard: „Vieles in der Praxis gar nicht umsetzbar“

Ähnliches kommt auch von Landgard: Der Vermarkter sieht durch die Registrierungspflicht für alle Erzeuger und Händler ebenfalls „größeren bürokratischen Aufwand ohne Mehrwert“. Durch die Vorgaben des Pflanzenschutzgesetzes seien die Kosten für den Etikettendruck, die Anpassung von Warenwirtschaftssystemen und für Kontrollfunktionen in der gesamten Handelskette angestiegen. Die tatsächliche Sicherheit vor der Verschleppung von Schaderregern habe sich hingegen kaum merklich verändert. Daher setzt sich Landgard dafür ein, die erweiterte Pflanzenpasspflicht erneut zu überarbeiten. Das neue System sei deutlich zeitintensiver, ursächlich dafür sind laut Landgard-Vorstand Dirk Bader eine Reihe von Konstruktionsfehlern der erweiterten Pflanzenpass-Pflicht, die dringend korrigiert werden sollten.

So gelte die Pflicht zur Deklaration des neuen Pflanzenpasses für alle Topfpflanzen – unabhängig von ihrer potenziellen Anfälligkeit für Quarantäne-Schädlinge. Bei der Deklaration von gemischt bepflanzten Töpfen wird die Deklaration aller verwendeter Gattungen und Arten gefordert. Diese Vorgabe ist in der gärtnerischen Praxis aber schlichtweg nicht umsetzbar. Gerade bei kleinen Topfgrößen stehen die geforderten Angaben für den Pflanzenpass in keiner Relation zum verfügbaren Platz an der Ware. Daher sei die Umsetzung dieser Vorgabe aus Sicht des Handels und der Produktion kaum möglich. Die Regelungen zur erweiterten Pflanzenpasspflicht wiesen aber auch noch an anderen Stellen deutliche Schwächen auf, fährt Landgard fort. So sollen alle Beteiligten der Handelskette ihren Pflanzenpass an der Ware anbringen und damit dokumentieren, dass die Ware den jeweiligen Standort befallsfrei verlassen hat. In der Praxis werde der Pflanzenpass aber bereits auf den Topf gedruckt, bevor die geforderte phytosanitäre Kontrolle durchgeführt wurde. Anspruch und Wirklichkeit klaffen folglich auch hier weit auseinander.

BdB und ENA: „Bestehende Vorschriften reichten aus“

Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) hat bereits seit Längerem einen eigenen Ad-hoc-Arbeitskreis für die Bearbeitung des Themas Pflanzengesundheit eingerichtet, bestehend aus 16 Unternehmern und Beratern. Seine Hinweise zur neuen Pflanzengesundheitsverordnung hat er gemeinsam mit dem Europäischen Baumschulverband ENA (European Nurserystock Association) eingereicht. Die ENA hatte schon früh zu Bedenken gegeben, dass die bestehenden Vorschriften zur Minimierung des Risikos der Ausbreitung von Pflanzenschädlingen ausreichten und zusätzliche Anforderungen an Rückverfolgbarkeitscodes nicht erforderlich seien: Ein Pflanzenpass wirke sich um ein Vielfaches auf die schnellen Handelsströme aus und erhöhe den Verwaltungsaufwand und die Kosten für die Hersteller. Er empfahl stattdessen schon 2020 einen Rückverfolgbarkeitscode nur in den wenigen Fällen von Pflanzenarten mit identifiziertem Risiko für Schädlinge und Krankheitserreger. Auch eine Pflanzenpasspflicht für Fernverkäufe sieht der Baumschulverband als nicht erforderlich an. Der BdB hält zudem an seiner Forderung fest, die Pflanzenpass-Informationen auch weiterhin auf den Lieferpapieren und nicht auf den Etiketten zu übermitteln.

► Weitere Stellungnahmen aus der Branche zum Pflanzenpass finden Sie in TASPO 20/2021.

Cookie-Popup anzeigen