Pflanzenschutz

EU-Wirkstoffprüfung: „Natur erholt sich nicht selbstständig vom Glyphosat“

Angesichts der öffentlichen Diskussion um die Einschätzung möglicher gesundheitlicher Risiken von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unlängst ein wissenschaftliches Symposium im ICC Berlin veranstaltet. Im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung hatte das BfR die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat neu bewertet. 

Beim Einsatz von Glyphosat sind Ausgleichsflächen unabdingbar. Foto: jojjik/Fotolia

Zusätzlich zu den bereits in die erste Wirkstoffprüfung eingeflossenen Dokumenten wurden mehr als 1.000 neue Studien geprüft und ausgewertet. Auch vor diesem Hintergrund kommt der Bericht zu dem Ergebnis, dass Glyphosat nach wie vor alle Kriterien erfüllt, die das EU-Recht an Pflanzenschutzmittelwirkstoffe stellt.

Einige Bedenken äußerste das BfR dennoch. „Aus der ausgewerteten Literatur ergibt sich, dass die Toxizität bestimmter glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel aufgrund der darin enthaltenen Beistoffe – beispielsweise von Tallowaminen, die als Netzmittel eingesetzt werden – höher sein kann als die des Wirkstoffes“, so Professor Andreas Hensel. Eine toxikologische Bewertung der Tallowamine wurde vom BfR in den Bericht integriert.

Bedenken bestehen auch im Hinblick auf den Schutz der biologischen Vielfalt. Zwar sei Glyphosat für Vögel, Säugetiere und Insekten nicht unmittelbar schädlich. Breitbandherbizide wie Glyphosat töteten jedoch auf den behandelten Kulturflächen auch diejenigen Pflanzen ab, die Insekten wie Schmetterlingen und Wildbienen Nahrung bieten.

Damit kann auch Feldvogelarten wie dem Rebhuhn und der Feldlerche die Nahrungsgrundlage entzogen werden. Der Bericht empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Genehmigung für Glyphosat mit der Maßgabe zu verbinden, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um solche Effekte und nachteilige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.

„Problematisch ist aus unserer Sicht, wie massiv und umfangreich Glyphosat eingesetzt wird“, wird Klaus Günter Steinhäuser, Leiter des Fachbereiches Chemikaliensicherheit beim Umweltbundesamt, von Spiegel online (20. Januar 2014) zum Thema zitiert. Dabei ließen sich laut seiner Behörde bis zu 15 Prozent des Glyphosats allein in der Landwirtschaft einsparen, wenn auf den Einsatz als Erntebeschleuniger verzichtet würde.

Für den Privatgartenbereich empfiehlt das Umweltbundesamt, auf Totalherbizide generell zu verzichten und unerwünschte Pflanzen grundsätzlich mechanisch zu entfernen.

Allerdings reiche es nicht aus, den Einsatz von Glyphosat nur zu begrenzen. „Die Natur erholt sich vom Glyphosat nicht selbstständig, ganz wichtig sind dafür Ausgleichsflächen und Rückzugsgebiete“, sagt Steinhäuser.

Derzeit wird im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung getestet, ob eine weitere Genehmigung des Wirkstoffs Glyphosat für den Einsatz in Pflanzenschutzmitteln möglich ist. Berichterstattender Mitgliedsstaat im EU-Verfahren ist Deutschland.

Der Entwurf des Berichtes ist abgeschlossen und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als der koordinierenden Behörde an die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übergeben worden.

Er ist Grundlage für die öffentliche Konsultation mit allen interessierten Stakeholdern sowie für die anschließende Diskussion mit den Experten der Mitgliedstaaten im so genannten Peer Review-Verfahren. Beides wird von der EFSA gesteuert und voraussichtlich Ende 2014 abgeschlossen sein.

Alle Bewertungsberichte und wissenschaftlichen Stellungnahmen, die zur öffentlichen Konsultation vorgesehen sind, finden Sie auf der EFSA-Website. (ts)