Pflanzenschutz

Fadenwurm aus Übersee bedroht Kiefern: Schädling soll in Europa ausgerottet werden

Der Kiefernholznematode, vor 100 Jahren von Nordamerika nach Japan eingeschleppt, schädigt seit den 1980er Jahren Kiefernwälder in China, Korea und Taiwan). Europas Kiefern droht ein ähnliches Schicksal: Deshalb loteten Waldschutzexperten auf der Internationalen Tagung zum Kiefernholznematoden in Braunschweig jetzt Bekämpfungsmöglichkeiten aus. 

Vom 15. bis 18. Oktober trafen sich Waldschutzexperten aus 22 Ländern erstmalig in Braunschweig, um sich über einen der gefährlichsten Kiefernschädlinge auszutauschen. Lokaler Ausrichter der Tagung war das Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig.

Der Kiefernholznematode, ein Fadenwurm, ist nur einen Millimeter lang und gilt als Quarantäneschadorganismus. Er ist ein Beispiel dafür, wie Schadorganismen weltweit verschleppt werden, fern ihrer Heimat Fuß fassen und beträchtlichen ökonomischen und ökologischen Schaden anrichten.

1999 wurde der Nematode erstmals in Portugal entdeckt und entsprechende Quarantänemaßnahmen eingeleitet. „Wer einmal die Hänge mit Totholz auf der Insel Madeira gesehen hat, der weiß, warum jeder Forstverantwortliche in Deutschland diesen Schädling fürchtet“, sagte Dr. Thomas Schröder vom JKI. Der Fadenwurm kommt mit Bockkäferarten, die an Kiefern fressen und dort ihre Eier ablegen, meist versteckt in Verpackungsholz aus Asien nach Europa. Auch in Deutschland gibt es geeignete „Transportkäfer“. Der Biologie und Verbreitung dieser Zwischenwirte war eine Sektion der Tagung gewidmet.

Andere Experten erforschen den Krankheitsverlauf an den Kiefern. „In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Hinweise darauf, dass nicht nur der Kiefernholznematode allein, sondern auch parallel verlaufende Bakterieninfektionen die Kiefernwelke oder die so genannte ‚Pine Wilt Disease‘ mit verursachen“, erklärte Dr. Schröder. Dieses multifaktorielle Krankheitsgeschehen wurde ebenfalls in einer Sektion behandelt.

Ein weiterer Fokus der Konferenz lag auf der Entwicklung von Methoden, mit denen sich ein Befall rasch und eindeutig nachweisen lässt. „Ähnlich wie in der Humanmedizin ist auch bei der Diagnostik von Baumkrankheiten der Nachweis bestimmter Gene der Nematoden Stand der Technik“, berichtete Dr. Schröder. Neueste Entwicklung ist eine Methode, bei dem das Holz toter oder lebender Bäume als Ausgangsmaterial genutzt wird, um den Nematodenbefall eindeutig nachzuweisen, ohne den Fadenwurm selbst isolieren zu müssen.

Außerdem ging es darum, aus den Erfahrungen der Länder, in denen sich der Schädling bereits etabliert hat, zu lernen und Konsequenzen für Europa zu ziehen. „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Kiefernholznematoden in Südeuropa auszurotten beziehungsweise einzugrenzen, weitere Einschleppungen nach Europa möglichst zu verhindern und im Ernstfall rasch zu handeln“, so das Fazit des JKI-Wissenschaftlers. (ts/jki)