Forschung: Verbreitung von Viren in heimischen Bäumen

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Blätter einer von mehreren Viren befallenen Birke. Foto: Carmen Büttner/Humboldt-Universität zu Berlin

Viren können den Gesundheitszustand von Bäumen erheblich beeinträchtigen. Deshalb wird derzeit in mehreren Forschungsprojekten die Verbreitung von Pflanzenviren in Straßen- und Parkbäumen untersucht, um Handlungsempfehlungen für den Umgang mit virusinfizierten Bäumen im Wald und im urbanen Raum zu erstellen.

Wissenschaftler weisen häufig auftretendes Emaravirus nach

Wissenschaftler der Forschungsgruppe Phytomedizin der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) untersuchen bereits seit Ende der 1990er Jahre anhand verdächtiger Symptome Viren, die heimische Bäume infizieren. Unter anderem gelang ihnen der Nachweis mehrerer neuartiger Viren, die in europas Laubgehölzen weit verbreitet sind. Dazu gehört auch das erst vor einigen Jahren entdeckte und auffällig häufig auftretende Emaravirus (EMARaV = European mountain ash ringspot-associated emaravirus), das in erkrankten Ebereschen mit chlorotischen Ringflecken und Scheckungen nachgewiesen wurde.

Emaraviren infizieren neben der Eberesche auch weitere wirtschaftlich und ökologisch bedeutsame Gehölze in Wäldern und Parks, darunter Eiche, Esche, Ahorn, Pappel und Felsenbirne. Die jeweils sehr wirtsspezifischen Viren werden dabei durch ebenfalls wirtspezifische Gallmilbenarten verbreitet, vermuten die Dendrovirologen. Erkennbar ist die Infektion zumeist an charakteristischen Blattsymptomen wie chlorotischen Ringflecken, Linienmustern, Mosaik und Scheckungen der Blätter.

Viren-Ansammlungen in Birken entschlüsselt

Mit Hilfe moderner Sequenzierungstechnologien gelang es den Phytomedizinern, Virome – also Ansammlungen von Viren, die in einem bestimmten Wirt oder Ökosystem anzutreffen sind – in Birken aus Deutschland und Finnland zu entschlüsseln. Die Bäume zeigten Symptome der Birkenblattrollkrankheit (BRLD = birch leaf roll disease). Insgesamt fünf Viren, davon drei bislang unbekannte, wurden in den erkrankten Birken nachgewiesen. Für eine Vielfalt der in einzelnen Bäumen aufgespürten Virus-Gemeinschaften sorgten aber nicht nur die fünf verschiedenen Virusarten – es traten auch Varianten der gleichen Art auf.

Vergleichende Bewertung von heimischen und nichtheimischen Baumarten

Derzeit untersuchen die Wissenschaftler die Verbreitung von Pflanzenviren in Straßen- und Parkbäumen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu dienen, Handlungsempfehlungen für den Umgang mit virusinfizierten Bäumen geben zu können. Angestoßen durch zunehmende Schädigungen, die nicht durch bekannte Pilzinfektionen, Schädlinge oder abiotische Einflüsse zu erklären sind, werden im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte Viren als mitbestimmender Faktor für die Degeneration und das Absterben von Bäumen analysiert. Ein Fokus liegt dabei auf der vergleichenden Erfassung und Bewertung des Gesundheitszustands von heimischen und nichtheimischen Baumarten insbesondere in den Städten.