Pflanzenschutz

Forschung zu Weihnachtsbäumen am GBZ in Münster-Wolbeck

Von der Somatischen Embryogenese über die Wirtelknospenbildung bis zum Wissenstransfer in die Praxis, damit beschäftigt sich das Gartenbauzentrum in Münster-Wolbeck. Es ist die einzige deutsche Forschungsstelle für und über Weihnachtsbäume. Seit Mitte 2008 ist Peter Uehre mit einer halben Stelle dafür verantwortlich. Unterstützt wird er dabei von Sepp Herrmann (Dipl.-Ing. agr.) mit 25 Stunden pro Woche, Theodor Beste und Sabine Kittelmann, beides gelernte Gärtner mit jeweils 39 Stunden. Was ist da an Forschungsarbeit überhaupt noch leistbar? 

 

Herr Uehre, wie kommen Sie mit den knappen personellen Ressourcen zurecht?

Unser Versuchsteam arbeitet sehr effektiv. Ein gutes Zeitmanagement, optimale technische Voraussetzungen und eine hohe Motivation ermöglichen es uns, die anstehenden Versuchsfragen zu bearbeiten. Die gute Zusammenarbeit mit Christoph Köhler, dem Berater für den Weihnachtsbaumanbau, und mit der nordrhein-westfälischen Praxis ist dabei sehr hilfreich und befruchtend.

Ich bin mit unserer Arbeit und den Ergebnissen sehr zufrieden. Die Akzeptanz in der Praxis bestätigt das und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

 

Ein langjähriges Vorhaben – seit April 2005 – ist die vegetative Vermehrung der Nordmanntanne durch Somatische Embryogenese (SE) und als besonderer Knackpunkt die Abhärtung der Jungpflanzen für die Freilandbedingungen sowie ihre Vitalität. Wie ist der Forschungsstand und erwarten Sie da in absehbarer Zeit einen Durchbruch?

Wir haben in den letzten beiden Jahren den Durchbruch geschafft. Durch konsequenten Einsatz unserer exzellenten technischen Möglichkeiten und der Anwendung moderner Vermehrungsmethodik ist es uns gelungen, die Überlebensrate der kleinen „Frühchen“ in der Akklimatisierungsphase auf bis zu 85 Prozent zu bringen. Die Weiterkultur bis zur pflanzfähigen Jungpflanze ist kein Problem. Wir haben inzwischen richtig schöne und vitale Jungpflanzen.

 

Noch wird das Modellvorhaben durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung gefördert. Wie lange noch?

Das Projekt läuft noch bis Ende September 2011. Ein Anschlussprojekt ist über die Humboldt-Universität Berlin beantragt, aber noch nicht entschieden.

 

Geben Sie bitte einen kleinen Überblick über sonstige aktuell laufende Versuche und Versuchsschwerpunkte.

Unser zentrales Versuchsthema ist die Wirtelknospenbildung, das heißt, die Frage, welche Faktoren wirken auf diese Knospenzahlen ein. Die Knospenzahlen sind der Schlüssel zu einem hohen Anteil an Erste-Wahl-Bäumen. Die Versuchsfragen ergeben sich daher aus den Einflussfaktoren. Die Wurzel steht dabei ebenso im Fokus wie die Bodenvorbereitung und Kulturmaßnahmen, also Formschnitt und Stumpfbeschneidung.

Und welche neuen Versuche sind in naher Zukunft geplant? Gibt es dazu eine Übersicht?

Neue Versuche ergeben sich aus den Ergebnissen der abgeschlossenen und laufenden Versuche. Die Ergebnisse verdichten sich augenblicklich deutlich zu dem oben genannten Versuchsschwerpunkt.

 

Existiert noch ein Forschungsbeirat, mit dem die Versuchsfragen abgesprochen und erarbeitet werden?

Ja, wir haben eine Arbeitsgruppe „Weihnachtsbaumversuche“, in der etwa acht Produzenten aus Westfalen und dem Rheinland Versuchsfragen einbringen. Wir treffen uns einmal im Jahr im September, besichtigen die aktuellen Versuche, diskutieren diese und entwickeln gemeinsam die weiteren Versuchsfragen.

Gibt es abgesehen von der BMELV- Förderung für die SE irgendwelche Fördertöpfe, mit denen die Versuchsarbeit finanziert werden könnte oder Zulieferfirmen, die die Versuche sponsern?

Da das Projekt SE in diesem Jahr ausläuft, wird momentan über das weitere Vorgehen diskutiert. Es wäre schade, wenn die positiven Ansätze nicht weiter verfolgt werden würden. Ich befürchte nur, dass aus der Praxis nicht ausreichende Mittel zu bekom-men sind. Da das bisherige Projekt über das Ministerium gefördert wurde, halte ich eine öffentliche Förderung für sinnvoll, damit das bisherige Geld nicht umsonst ausgegeben wurde. Andere Fördermöglichkeiten kann ich zurzeit nicht sehen.

 

Sie waren in den letzten Monaten häufiger auf Vortragsveranstaltungen. Gehört das mit zu Ihren Aufgaben als Versuchsleiter in Münster-Wol- beck oder ist das ein anderer Bereich?

Versuche werden für die Praxis durchgeführt. Die Ergebnisse sollen daher über Veröffentlichungen, Lehrschauen auf Messen und durch Vorträge auf Veranstaltungen dargestellt werden. Wenn es uns gelingt, Theorie und Praxis zu verknüpfen, wird eine Akzeptanz durch den Produzenten gegeben sein. Viele Anrufe und gewünschte Vorträge bestätigen uns in unserer Arbeit.

 

Wie sehen Sie die nächsten zwei bis vier Jahre, was den Forschungsstandort Münster-Wolbeck für Weihnachtsbäume angeht?

Ich hoffe, dass wir in dem genann- ten Team weiter Versuchsarbeit für den Weihnachtsbaumanbau leisten können. Mir liegen keine Informatio-nen vor, dass sich daran in näherer Zukunft etwas ändern sollte, zumal der Berufsstand uns deutlich unterstützt.

 

Wenn Sie dazu zwei Wünsche frei hätten, welche wären das?

Ich würde gerne durch Versuchsarbeit und Aufklärung einen Beitrag dazu leisten, dass der Weihnachtsbaum- Anbau in Deutschland von der Politik und den Behörden nicht weiter „kriminalisiert“ wird, sondern als ordnungs-gemäße Landwirtschaft, die die Regionen sogar positiv beeinflusst, gesehen wird.

In dieser Thematik sind wir momentan recht aktiv. Bis ein Weihnachtsbaum verkaufsfähig ist, dauert es bis zu zehn Jahre. Ich würde mich freuen, bei guter Gesundheit in Wolbeck noch die angestrebten positiven Ergebnisse der jetzt gesetzten Jungpflanzen erleben zu können.

(Liebgard Jennerich)