Pflanzenschutz

Gartenakademie in Heidelberg kämpft um den Fortbestand

In Deutschland gibt es derzeit neun Gartenakademien, worunter aber nur die in Baden-Württemberg vollständig unter privater Regie arbeitet. Ihre Zukunft ist jedoch bedroht, denn entgegen den Vorgaben ist sie weit davon entfernt, sich selbst zu finanzieren. Ob und wie es mit der Einrichtung weitergeht, soll im September ein Gespräch mit dem Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg (MLR) und den beteiligten Verbänden und Institutionen klären.

Das inhaltliche und qualitative Konzept der Gartenakademie Baden-Württemberg findet breite Anerkennung bei den Hobby- und Freizeitgärtnern und den Fachleuten, hier wurde intensive Aufbauarbeit geleistet, äußert Reiner Mauch, Präsident der Einrichtung,

Der Eigenfinanzierungsanteil ist zwar nach Angaben des Ministeriums im vergangenen Jahr von 25 Prozent auf nun 35 Prozent gestiegen, aber noch weit von dem für Oktober 2006 vorgegebenen Ziel der Kostendeckung entfernt.

Laut Mauch ist festzustellen, dass sich das Sponsoring als Finanzierungsquelle "äußerst schwierig" darstellt und die angebotenen oder verkauften Produkte oder Dienstleistungen von den Branchenverbänden zuweilen als Konkurrenz erachtet werden. Zum Angebot gehören Fortbildungen, Fachseminare, Vermittlung von Referenten, Führungen und Fachinformationen, wobei laut Gartenakademie-Geschäftsführerin Jeanette Schweikert die Bereitschaft der Teilnehmer, für die Informationen Gebühren zu entrichten, nicht sehr hoch ist. Die angebotenen Reisen liefen dagegen positiver.

Die dritte Finanzierungssäule sind Mitgliedsbeiträge der beteiligten Verbände, Betriebe und Einrichtungen, die sich laut Mauch aber auch nicht einfach erhöhen ließen. Denn diese Verbände müssten sich ihren Mitgliedern gegenüber rechtfertigen, die aber nur rund 200000 der 2,5 Millionen Gartenbesitzer in Baden-Württemberg stellten. Mauch: "Es ist Fakt, dass wir die Finanzierung so nicht schaffen. Das ursprüngliche Konzept zur Finanzierung geht nicht auf." Man brauche sicherlich noch ein paar Jahre, um auch finanziell alles ans Laufen zu bekommen, so Mauch.

Wenn nun die Gartenakademie nicht fortgeführt werden sollte, wäre nach Ansicht Mauchs das gesamte finanzielle und ehrenamtliche Engagement aller Beteiligten "in den Sand gesetzt". Die Freizeitgärtner beispielsweise in Sachen Pflanzenschutz zu beraten und bei der umweltschonenden Gartenbewirtschaftung zu unterstützen, sei aber auch in öffentlichem Interesse, außerdem verdiente der hohe Stellenwert des Freizeitgartenbaues in Baden-Württemberg auch eine gewisse Unterstützung.

Doch in wieweit sich die Weichen bei dem im September geplanten Gespräch im MLR neu stellen lassen, ist fraglich. Denn das Land hat inzwischen gewachsene Finanzprobleme, heißt es aus dem MLR, und stelle seine Ausgaben auf den Prüfstand. Laut Gartenakademie-Geschäftsführerin Schweikert liegt der finanzielle Gesamtbedarf der Einrichtung bei 110000 Euro jährlich, worin 20 Prozent Sachkosten und Lohnkosten für 1,8 Stellen enthalten sind.