Pflanzenschutz

Gemeinsam gegen den neuen Schaderreger PSTVd – Pflanzenschutzbehörden besprechen einheitliches Vorgehen

PSTVd, Potato Spindle Tuber Viroid oder zu Deutsch Spindelknollenkrankheit der Kartoffel, heißt ein Schaderreger, der den deutschen Pflanzenschutzbehörden zurzeit Probleme bereitet. Das Viroid ist ein für die EU gelisteter Quarantäneschadorganismus, der insbesondere Kartoffel- und Tomatenkulturen gefährlich werden kann, aber auch andere Solanaceae befällt. Das Viroid wurde in den vergangenen Monaten verschiedentlich in Beständen von Solanum jasminoides und Brugmansia spp. in mehreren Mitgliedsstaaten (einschließlich Deutschland) festgestellt. In der vergangenen Woche trafen sich Vertreter der Pflanzenschutzämter und -dienste der Länder in der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA), Braunschweig, um ein gemeinsames, bundesweites Vorgehen abzusprechen.

Wie Dr. Ernst Pfeilstetter (BBA, Abteilung Pflanzengesundheit) gegenüber der TASPO erläuterte, liegt ein Entwurf einer Leitlinie vor, der zurzeit überarbeitet wird und dessen Inhalte ab 1. Februar zur Anwendung kommen sollen. Übergeordnetes Ziel ist die Überwachung der Solanaceae-Bestände und die Wiederherstellung der Befallsfreiheit der Produktion der betroffenen Wirtspflanzenarten. Da das Viroid an Brugmansia und Solanum jasminoides keine sichtbaren Symptome hervorruft, müssen die Bestände getestet werden. Die Überwachung erfolgt in vier Bereichen: Einfuhren aus Drittländern und Zufuhren aus anderen Mitgliedsländern, Vermehrungsbetriebe, Lieferungen in andere Staaten und Produktionsbetriebe mit Ware für den Endverbraucher.

Aufgrund des besonderen Risikos für die weiträumige Verbreitung von PSTVd haben in den nächsten Monaten die Einfuhren und Zufuhren, die Vermehrungsbetriebe und die Lieferungen in andere Staaten oberste Priorität bei der Überwachung. Bei den Einfuhren müssen die fraglichen Pflanzensendungen, da es keine sichtbaren Symptome gibt, getestet werden. Bei den Zufuhren sind die Pflanzenschutzdienste auch auf die Kooperation der Betriebe angewiesen. „Hier gilt die eindeutige Empfehlung, alle Zufuhren testen zu lassen. Dies liegt letztlich auch im Eigeninteresse der Betriebe“, appelliert Dr. Pfeilstetter an die Gartenbaubetriebe. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass befallenes Material innerhalb der EU verbreitet werde. „Insofern ist es auch wichtig, dass bei Lieferungen von Pflanzenmaterial der betroffenen Gattungen/Arten aus Deutschland in andere Mitgliedsstaaten anhand von Testungen sichergestellt ist, dass das Material befallsfrei ist“, so Dr. Pfeilstetter weiter.

In den Vermehrungsbetrieben ist die Befallssituation zu klären. Befallene Bestände müssen vernichtet werden. Nach Desinfektion und unter Einhaltung entsprechender Hygienemaßnahmen sollten sämtliche Bestände ausschließlich aus nachgewiesenermaßen befallsfreiem Pflanzenmaterial aufgebaut werden. Betriebsinterne Vermehrung sollte entweder unterbleiben oder durch entsprechende Untersuchungen begleitet sein.

In einem weiteren Schritt werden die Produktionsbetriebe mit Ware für den Endverbraucher überprüft. „Allerdings ist die kurzfristige, lückenlose Erfassung aller dieser Betriebe in Deutschland bis zum Ende des laufenden Verkaufszeitraums, angesichts der begrenzten Kapazitäten der zuständigen Pflanzenschutzbehörden nicht möglich“, schränkt Dr. Pfeilstetter ein. Außerdem seien die Betriebe bei den Pflanzenschutzdiensten zum großen Teil nicht bekannt, da sie als Endproduzenten der betroffenen Pflanzenarten entsprechend der Pflanzenbeschauverordnung nicht registrierungspflichtig sind. Bei der Überwachung und gegebenenfalls Sanierung der Betriebe ist zunächst eine risikoorientierte Vorgehensweise vorgesehen. Ziel für die nächste Saison ist die ausschließliche Vermarktung befallsfreien Pflanzenmaterials. Die vorgestellten Maßnahmen sind mit dem Zentralverband Gartenbau abgestimmt, bestätigt der Pflanzenschutzexperte.