Glyphosat: BfR-Bericht bei Monsanto abgeschrieben

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Der umstrittene Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Glyphosat kommt vor allem in der Landwirtschaft zum Einsatz. Foto: Monsanto

Vehement hatte sich das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gegen die jüngsten Anschuldigungen gewehrt, die Behörde habe für ihren Glyphosat-Bericht seitenweise den Zulassungsantrag von Monsanto für das Herbizid kopiert. Jetzt bestätigt ein Gutachter die Plagiats-Vorwürfe.

Bei der Vorstellung seines Sachverständigengutachtens am Donnerstag in Berlin hatte Stefan Weber Medienberichten zufolge erklärt, dass das BfR für seinen Glyphosat-Bericht mehrere Seiten der Monsanto-Bewertung quasi Wort für Wort abgeschrieben habe. Daraus schlussfolgert Weber, dass die Behörde „keine eigenständige Bewertung der zitierten Studien vorgenommen hat“.

Gutachten: Glyphosat-Bericht des BfR erfüllt Plagiats-Kriterien

Damit erfülle der Glyphosat-Bericht des BfR – anhand dessen die EU-Kommission vorgeschlagen hatte, die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichters um weitere zehn Jahre zu verlängern – die „Kriterien eines Textplagiats“, wird Weber in verschiedenen Medien zitiert. Der Gutachter wirft der Behörde zudem vor, durch konsequenten Verzicht auf Quellenangaben und absichtliches Entfernen von Hinweisen auf die wirklichen Autoren deren Herkunft bewusst zu verschleiern.

Auftraggeber von Webers Gutachten, für das er drei ausgewählte Kapitel der Risikobewertung des BfR mit entsprechenden Abschnitten des von Monsanto vorgelegten Glyphosat-Zulassungsantrags verglichen hatte, ist die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000.

Diese hatte im vergangenen Jahr in Wien und Berlin Strafanzeige gegen Monsanto, das BfR und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gestellt, weil die von Monsanto eingereichten Krebsstudien und die Bewertungen von BfR und EFSA angeblich das Risiko von Glyphosat verschleiern würden. Im Gegensatz dazu hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) 2015 das Herbizid als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft.

Grünen-Politiker: keine Zulassungsverlängerung für Glyphosat auf Basis von Plagiats-Risikobewertung

Während auf Basis von Webers Gutachten unter anderem der Landwirtschaftsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Harald Ebner, zu dem Schluss kommt, dass es eine Zulassungsverlängerung für Glyphosat „auf Basis dieser Plagiats-Risikobewertung nicht mehr geben“ dürfe, hatte das BfR Ende September die Vorwürfe entschieden von sich gewiesen.

In Europa und weltweit sei es in Bewertungsverfahren, nicht nur bei Pflanzenschutzmitteln, üblich und anerkannt, dass Bewertungsbehörden nach kritischer Prüfung auch relevante Passagen aus eingereichten Dokumenten in ihre Bewertungsberichte integrieren, so das BfR in einer Stellungnahme. Die behördliche Gesamteinschätzung enthalte neben den eigenständigen Bewertungen immer auch Zusammenfassungen wissenschaftlicher Erkenntnisse aus Originalstudien und Literaturveröffentlichungen.

BfR rechtfertigt sich: keine Passagen unkritisch und ungeprüft übernommen

„Diese Zusammenfassungen veröffentlichter Studien sind zwangsläufig Teil der Einreichungsunterlagen“, so BfR-Präsident Andreas Hensel. Das BfR habe für seine Bewertung des Krebsrisikos durch Glyphosat keineswegs die Sicht der Antragsteller und deren Interpretation entsprechender Studien unkritisch und ungeprüft übernommen.

Vielmehr habe das BfR zahlreiche Passagen der eingereichten Unterlagen gestrichen, wenn diese wissenschaftlich nicht nachvollziehbare oder falsche Aussagen zu den geprüften Originalstudien enthielten. Nicht akzeptierte Darlegungen und Interpretationen seien vom BfR durch eigene Bewertung ersetzt oder ergänzt worden.

 

Comments (1)

  1. Klaus-Peter Manig 1 week ago
    Mit der Gefährlichkeit von Glyphosat ist es wohl wie mit der unbefleckten Empfängnis. Beide sind wissenschaftlich nicht zu belegen, man kann aber daran glauben und diesen Glauben mit allen Mitteln verteidigen.
    Übrigens passt das Bild dieses Mal. Allerdings kommt das vom personifizierten Teufel persönlich.

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