Pflanzenschutz

Glyphosat: Forscher gegen Verbot

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In der Diskussion um Glyphosat meldet sich jetzt auch ein Agrarwissenschaftler der Universität Hohenheim zu Wort. Prof. Dr. Günter Neumann fordert dabei eine gezieltere Anwendung des umstrittenen Herbizids. Ein komplettes Verbot des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs hält Neumann dagegen für kontraproduktiv.

Für einen gezielten und sachkundigen Einsatz von Glyphosat plädiert ein Agrarwissenschaftler der Uni Hohenheim. Foto: Kara/Fotolia

Bislang kaum Unkraut-Resistenzen für Glyphosat bekannt

„Glyphosat ist ein wichtiges und wertvolles ackerbauliches Werkzeug und sollte auch als solches behandelt werden. Es wirkt hocheffizient gerade bei Problemunkräutern und tötet auch die Wurzeln ab. Die Substanz ist vergleichsweise umweltverträglich und kostengünstig. Und im Gegensatz zu vielen anderen Wirkstoffen sind für Glyphosat zumindest in Europa bisher kaum Unkraut-Resistenzen bekannt“, so Neumanns Argumentation.

Allerdings müsse der Wirkstoff gezielt und mit Sachverstand eingesetzt werden. In Ländern wie den USA, Brasilien und Argentinien etwa liege der Fokus auf Anbausystemen mit Glyphosat-toleranten Kulturpflanzen, was durch den langjährigen, intensiven Einsatz des Herbizids inzwischen vermehrt resistente Unkräuter zur Folge habe. „Hier wird also einer der wesentlichsten Vorteile des Wirkstoffs wissentlich verspielt“, so Neumann.

Glyphosat: Anwendung nur mit Sachkundenachweis

Eine unsachgemäße Anwendung von Glyphosat sei zudem der Grund, weshalb der Wirkstoff immer wieder in Oberflächengewässern zu finden ist – auch außerhalb der Landwirtschaft. Daher sollte das Herbizid nur von Personen mit Sachkundenachweis angewandt werden, so Neumanns Forderung. Im Heimgartenbereich oder in Parks dagegen plädiert der Forscher für ein Verbot des Wirkstoffs. „Glyphosat galt viel zu lange als relativ unproblematisches Allheilmittel, und das muss sich ändern“, sagt Neumann.

Wichtig sei jetzt, die Entwicklung von Glyphosat-Alternativen voranzutreiben – vor allem, da etwa mechanische Unkrautbekämpfungsverfahren erst noch ihre Wirtschaftlichkeit beweisen müssten. Ein generelles Verbot von Glyphosat würde daher nach Neumanns Auffassung „wohl zunächst eher die Verwendung anderer herbizider Wirkstoffe begünstigen, die oft deutlich weniger untersucht und gegebenenfalls sogar problematischer sind als Glyphosat.“