Pflanzenschutz

Glyphosat: Hersteller setzen EU unter Druck

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Die Luft für Glyphosat wird immer dünner: Auch in der jüngsten EU-Abstimmung wurde die nötige qualifizierte Mehrheit für eine Zulassungsverlängerung verfehlt. Medienberichten zufolge drohen die Hersteller des umstrittenen Totalherbizids der EU-Kommission deshalb jetzt mit Klagen und hohen Schadenersatzforderungen.

Die Hersteller von Glyphosat drohen der EU-Kommission mit hohen Schadenersatzforderungen, falls die Zulassung des Herbizids nicht verlängert wird. Foto: Pixabay

Deutschland enthält sich bei jüngster Glyphosat-Abstimmung

Lediglich 14 der 28 EU-Mitgliedstaaten stimmten bei der gestrigen Sitzung des zuständigen Fachausschusses in Brüssel für den Vorschlag der EU-Kommission, Glyphosat für weitere fünf Jahre auf dem Markt zu lassen. Neun Länder – darunter Österreich, Frankreich und Italien – votierten dagegen. Deutschland enthielt sich vor dem Hintergrund der laufenden Koalitionsverhandlungen der Stimme, ebenso wie Portugal, Polen, Rumänien und Bulgarien.

Ende November geht die Abstimmung noch einmal in die Berufungsinstanz. Falls sich auch hier keine qualifizierte Mehrheit für die weitere Zulassung von Glyphosat entscheidet, obliegt es allein der EU-Kommission, ob sie die regulär am 15. Dezember auslaufende Genehmigung für den umstrittenen Unkrautvernichter trotzdem verlängert.

Industrie hat Schadenersatzansprüche von bis zu 15 Milliarden Euro

Die Glyphosat-Hersteller haben bereits Druck auf die Kommission ausgeübt. Wie unter anderem Der Tagesspiegel berichtet, drohen Monsanto und Co. jetzt mit horrenden Schadenersatzforderungen, sollte die EU dem Pflanzenschutzmittelwirkstoff die weitere Zulassung versagen. Bereits im Oktober sollen entsprechende Schreiben der Herstellerfirmen in Brüssel eingegangen sein, schreibt das Blatt.

Laut Tagesspiegel könnten sich die Schadenersatzansprüche auf bis zu 15 Milliarden Euro belaufen, in Abhängigkeit von den Umsatzausfällen, die den Herstellern bei einem Auslaufen der Glyphosat-Zulassung drohen. Schätzungen zufolge setzen Monsanto und Co. jedes Jahr in der EU rund eine Milliarde Euro mit dem Herbizid um.

Hersteller berufen sich auf gesundheitliche Unbedenklichkeit von Glyphosat

Die Hersteller des Unkrautvernichters führen für ihren Wunsch nach einer Zulassungsverlängerung vor allem ins Feld, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und die Europäische Chemikalienagentur ECHA Glyphosat übereinstimmend die gesundheitliche Unbedenklichkeit für den Menschen – korrekte Anwendung vorausgesetzt – bescheinigt hatten.

Kritiker argumentieren hingegen mit dem Krebsverdacht, den die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur IARC Glyphosat bescheinigt hatte.