Pflanzenschutz

Glyphosat im Honig: Imker protestieren in Berlin

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Weil in ihrem Honig zu viel Glyphosat gefunden wurde, müssen Imker aus Brandenburg mehrere Tonnen ihres süßen Naturprodukts entsorgen. Der dadurch entstandene finanzielle Schaden geht in die Zehntausende, weshalb der Betrieb Berichten zufolge jetzt vor dem Aus steht – und vor dem Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin protestiert hat.

Der Honig von Camille (l.) und Sebastian Seusing überschritt die Glyphosat-Grenzwerte um ein Vielfaches und muss deshalb entsorgt werden. Foto: Florian Amrhein/Aurelia Stiftung

Glyphosat-Grenzwert bis zu 152-fach überschritten

Rund vier Tonnen ihres Honigs müssen die Imker Sebastian und Camille Seusing aus dem brandenburgischen Biesenthal wegwerfen, da er eine deutlich zu hohe Belastung mit Glyphosat enthielt. Gemessen wurde eine bis zu 152-fache Überschreitung des Grenzwerts, wie die im Bereich Bienenschutz aktive Aurelia Stiftung berichtet. Damit sei ein Verkauf des Honigs ausgeschlossen, was für die Imkerei einen Schaden von rund 60.000 Euro bedeute.

Verantwortlich für das Glyphosat im Honig sei die Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die es weiterhin zulasse, dass das Herbizid auf blühende Pflanzen gespritzt wird, wie es in der Mitteilung der Aurelia Stiftung dazu heißt. Um ihrem Unmut darüber Ausdruck zu verleihen, kippte das Brandenburger Imkerpaar am vergangenen Mittwoch mehrere Eimer Honig vor dem Ministerium in Berlin aus.

„Ich habe diese insektenfeindliche Agrarpolitik satt!“

„Wir sind wütend! Die Aktion heute ist ein unmissverständliches Signal an Julia Klöckner und die Bundesregierung: Wir Imkerinnen und Imker nehmen es nicht mehr hin, dass im Agrarministerium die Interessen von Bayer und BASF wichtiger sind, als der Schutz der Insekten und der Erhalt unserer Familienbetriebe“, so Sebastian Seusing, der nach eigener Aussage rund ein Drittel seiner Jahresernte entsorgen lassen müsse, „weil Julia Klöckner nichts dagegen unternimmt, dass Glyphosat auf blühende Pflanzen gespritzt wird. Ich habe diese insektenfeindliche Agrarpolitik satt!“

BMEL: zu hohe Glyphosat-Gehalte Einzelfälle

Das BMEL bezeichnete die zu hohen Glyphosat-Gehalte im Honig der Brandenburger Imkerei in einer offiziellen Stellungnahme als Einzelfälle. Dass der betroffene Honig dadurch nachweislich nicht verkehrsfähig sei, bedauere das Ministerium sehr. Noch geklärt werden müsse von den Behörden vor Ort, ob sich der für die Verunreinigung mit dem Unkrautvernichter verantwortliche Landwirt „nicht entsprechend der guten fachlichen Praxis verhalten hat“, so das Ministerium.

Wie auf der Internetseite der Aurelia Stiftung zu lesen ist, soll der betreffende Landwirt im Frühjahr 2019 auf einem seiner Felder ein glyphosathaltiges Herbizid in blühenden Löwenzahn gespritzt haben, den die Bienen des Imkerpaars Seusing als Nahrungsquelle genutzt haben. So sei der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff in die Bienenvölker und letztlich in den Honig der Imkerei gelangt.