Pflanzenschutz

Glyphosat: Nachgehakt bei Monsanto, Bayer & Co.

, erstellt von

Im Dezember 2015 endet die Zulassung für Glyphosat auf EU-Ebene. In der öffentlichen Meinung ist der Wirkstoff stark umstritten. Von offizieller Seite gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass Glyphosat nicht wieder zugelassen werden sollte. TASPO Online hat bei Bayer Garten, Monsanto, Syngenta und BASF nachgehakt, wie die Unternehmen auf ein Verbot reagieren würden. Außerdem wollten wir wissen, wie die Umsatzzahlen aussehen und welche Alternativen die Unternehmen im Pflanzenschutz bieten. Besonders offensiv zeigt sich Monsanto.

TASPO Online befragte vier große Chemieunternehmen zum Thema Glyphosat und einem möglichen Verbot. Collage: Christian Mannsbart / Logos: Bayer Garten, Syngenta, Monsanto, BASF / Glyphosatmodell: Yikrazuul

Monsanto: Nichts spricht gegen die Wiederzulassung von Glyphosat

Wie Zeit-Online berichtet, sind derzeit allein 93 verschiedene Mischungen glyphosathaltiger Produkte in Deutschland zugelassen „Aus regulatorischer Sicht spricht nichts gegen die Wiederzulassung des Wirkstoffs. Die Bewertung von Glyphosat ist Teil des Wiederzulassungsprozesses, den alle Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe unter Aufsicht der Europäischen Kommission turnusgemäß durchlaufen müssen. Als berichterstattender Mitgliedsstaat hat Deutschland bereits vorliegende und neue Daten zur Gesundheits- und Umweltbewertung von Glyphosat erneut geprüft.

Der Bericht bestätigt weitgehend frühere Sicherheitsbewertungen des Wirkstoffs, insbesondere in Bezug auf dessen geringe Toxizität für Mensch, Tier und Umwelt. Glyphosat schädigt weder das Erbgut noch das Nervengewebe, ist nicht krebserregend und beeinträchtigt nicht die Fruchtbarkeit und Embryonalentwicklung. Auch verursacht der Wirkstoff keine Störungen des Hormonhaushalts, und reichert sich nicht im Körper an“, so teilt ein Sprecher der Monsanto Agrar Deutschland GmbH mit.

„Spekulation zu glyphosatfreiem Portfolio wenig hilfreich“

Aktuelle Zahlen zum Umsatz mit glyphosathaltigen Mitteln und Vergleichswerten zum Umsatz mit Alternativprodukten gab Monsanto auf Anfrage nicht preis. Auch machte der Konzern keine Angabe zu alternativen Produkten. Christoph Then von der gentechnikkritischen Organisation Test-Biotech sprach mit der Süddeutschen und schätzte, dass sich rund 8,5 Milliarden US-Dollar des Jahresumsatzes für Monsanto alleine aus dem Verkauf von Glyphosat (Roundup) generieren.

Die Antwort des Monsanto Sprechers lautet weiter: „Ihnen ist sicherlich bekannt, dass im Nachgang zur der erneuten Wirkstoffgenehmigung alle in Deutschland zugelassenen und zur Zulassung anstehenden glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel sich einem zonalen Überprüfungsverfahren unterziehen müssen. Insofern ist es aus unserer Sicht wenig hilfreich, voreilig und nicht angezeigt über ein glyphosatfreies Portfolio zu spekulieren.“

Monsanto bekräftigt Zulassungsfähigkeit von Roundup Gel

Anschließend bekräftigt der Konzernsprecher die Zulassungsfähigkeit glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel am Beispiel von Roundup® Gel. „Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat für Roundup® Gel nach allen neuen Kriterien der EU Zulassungsverordnung auf Basis der wissenschaftlichen Bewertung jüngst die Zulassung ausgesprochen. Roundup® Gel ist ein innovativer, präziser Gel Applikator, der das Zupfen von Unkraut ersetzen kann. Durch Bestreichen der Blattoberfläche erfolgt eine kontrollierte, punktgenaue Ausbringung ohne Abdrift. Gerade mit Hinblick auf den Aspekt der nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, so wenig Wirkstoff wie nötig einzusetzen, ist Roundup® Gel die zukunftsweisende Innovation, die das Roundup®-Portfolio ergänzt.“

Zum Abschluss weist Monsanto auf eine Studie der Universität Gießen hin, die die ökonomischen Vorteile glyphosathaltiger Mittel belege.

Bayer Garten zeigt Alternativen, sieht kein Verbot kommen

Bayer CropScience zeigt folgende glyphosatfreie Alternativen auf: „Unsere Herbizide ohne Glyphosat sind Bayer Garten Unkrautfrei Turboclean, Bayer Garten Bio Rasenmoosfrei, Bayer Garten Universal Rasenunkrautfrei Loredo, Bayer Garten Universal Rasenunkrautfrei Loredo Quattro. Darüber hinaus sind sämtliche Insektizide, Fungizide und Biozide glyphosatfrei“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch Bayer möchte sich nicht genau in die Karten sehen lassen, wenn es um den Umsatz geht, weist jedoch darauf hin, dass Glyphosat „gemessen am gesamten Pflanzenschutzmarkt nur eine untergeordnete Rolle im Bereich Haus- und Kleingarten spielt“.

Auf die Frage, wie Bayer auf ein mögliches flächendeckendes Verbot reagieren würde, gibt die Sprecherin folgende Auskunft: „Glyphosat wird aktuell wieder stark in den Medien diskutiert, Anzeichen für ein Verbot gibt es nicht. Bayer Garten ist nicht Hersteller von Glyphosat, sondern lediglich Vertreiber dieses Wirkstoffes. Wir rechnen damit, dass die unterschiedlichen Hersteller an Weiterentwicklungen arbeiten.“

„BASF zählt nicht zu den Herstellern von Glyphosat“

Verschiedene Medien wie auch die FAZ hatten berichtet, BASF erwirtschafte deutliche Gewinne mit Glyphosat. Folgendes stellt die Kommunikationsabteilung klar: „BASF zählt nicht zu den Herstellern von Glyphosat. Alle Pflanzenschutzmittel, einschließlich unserer Herbizide, die wir in Deutschland anbieten, enthalten kein Glyphosat. Daher sind wir für Ihre Fragen nicht der richtige Ansprechpartner.“

BASF fertigt im Stammwerk in Ludwigshafen einen wichtigen Stoff zur Herstellung von Glyphosat: Isopropylamin. „Isopropylamin (auch Monoisopropylamin, MIPA) ist ein vielseitiges Zwischenprodukt für vielfältige Anwendungen. Die wichtigsten Anwendungen finden sich im Bereich der Agrochemie: MIPA bewährt sich bei der Herstellung von Glyphosat, Atrazin und anderen Triazin-Herbiziden usw. Neben dieser Agrochemie-Anwendung wird MIPA auch für die Herstellung von Tensiden und Pharma-Wirkstoffen verwendet“, teilt das Unternehmen auf seiner Webseite mit.

Syngenta fährt Verkaufsaktivitäten aufgrund niedriger Margen zurück - Diskussion um Glyphosat aus der Balance

Wie ein Sprecher der Syngenta Agro GmbH mitteilt, befinden sich aktuell keine glyphosathaltigen Pflanzenschutzmittel für den professionellen Bereich im Portfolio des Unternehmens. Allerdings habe Syngenta, auch wenn sich das Unternehmen nicht zu produktbezogenen Umsätzen äußere, die Verkaufsaktivitäten aufgrund der sehr niedrigen Margen für Glyphosat bereits auf globaler und nationaler Ebene stark zurück gefahren.

Ein mögliches flächendeckendes Verbot sieht das Unternehmen kritisch: „Ein flächendeckendes Verbot hätte vor allem in der Landwirtschaft im Hinblick auf bodenschonende Bestellverfahren schwerwiegende Folgen. Aus diesem Grund bleibt zu hoffen, dass die Zulassungsbehörden der auf politischer Ebene aus der Balance geratenen Diskussion nicht folgen. Während die Wissenschaftler vernünftig miteinander umgehen, werden dort Zusammenhänge falsch dargestellt.“