Glyphosat: Schmidt will Anwendung begrenzen

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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat zwar der Zulassungsverlängerung für Glyphosat zugestimmt, will dessen Anwendung aber auf nationaler Ebene einschränken. Foto: BMEL/photothek.net/Thomas Köhler

Nach dem umstrittenen „Ja“ des Bundesagrarministers zur Glyphosat-Zulassung schlagen die Wellen momentan wieder richtig hoch. Trotz seiner Zustimmung im EU-Ausschuss fordert Christian Schmidt Medienberichten zufolge auf nationaler Ebene jetzt sogar ein Teilverbot.

Kein Glyphosat im Haus- und Kleingartenbereich

Das soll aus einem Brief Schmidts an die Unionsabgeordneten hervorgehen: Im Rahmen der nationalen Umsetzung strebe er Beschränkungen beziehungsweise ein Verbot der Glyphosat-Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich sowie eine Anzeigepflicht bei der Spätanwendung im Getreide an.

In einem Interview mit dem Münchner Merkur gab Schmidt an, er werde gemeinsam mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks einen Weg suchen, „wie wir den Einsatz von Glyphosat restriktiver gestalten können“.

Niedersachsen will kein „Weiter so“

Ein „Weiter so“ in Sachen Glyphosat will auch das Bundesland Niedersachsen auf keinen Fall, betonen die koalierenden Parteien im niedersächsischen Landtag: Man hält dort das Verbot von Glyphosat auf verpachteten Gemeindeflächen für ein erstes wichtiges Signal, „einfach, um einen Anfang zu finden, gesellschaftlich – auf unterschiedlichen Ebenen, sich nicht auf die hohe Ebene zu verlassen“. Sogar ein Komplettverbot trotz weiterer Zulassung durch die EU schließen einzelne Politiker für Niedersachsen nicht aus.

Solche Aussagen dürften dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sehr entgegenkommen. Der nämlich hat einen Fünf-Punkte-Ausstiegskatalog vorgelegt und fordert, die 2018 anstehende Überarbeitung der EU-Pestizidgesetzgebung zu nutzen, um den Zulassungsprozess für Pestizide zu reformieren.

Wesentliche Forderungen sind Studien durch unabhängige wissenschaftliche Institute, federführende Verantwortlichkeit für Pestizide durch das Bundesumweltministerium, eine stärkere Berücksichtigung von Umweltaspekten im gesamten Verfahren, der Ausbau von Monitoring-Maßnahmen sowie mehr Transparenz bei den Zulassungsverfahren.

Auch andere Bundesländer für Einschränkungen

Vor wenigen Tagen erst hat die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund die Forderung für Thüringen nach einem bundesweiten Aktionsplan zur Glyphosat-Reduzierung in den Bundesrat eingebracht. Auch aus dem Saarland liegt ein entsprechender Antrag vor, und einem Bericht von Radio FFH zufolge setzen sich diverse hessische Gemeinden ebenfalls für eine Anwendungsbeschränkung des umstrittenen Totalherbizids ein.

Es scheint also, als ob deutschlandweit noch längst nicht das letzte Wort zu Glyphosat gesprochen ist.