Pflanzenschutz

Glyphosat: Umweltministerin Hendricks gegen Zulassung

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich erneut gegen Glyphosat ausgesprochen. Damit sagt die Politikerin nicht nur dem Vorschlag der EU-Kommission, das umstrittene Herbizid für weitere zehn Jahre zuzulassen, den Kampf an. Sie widersetzt sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, die den Einsatz von Glyphosat befürworten.

Glyphosat kommt in der Landwirtschaft, aber auch im Gartenbau und bei Hobbygärtnern zum Einsatz. Foto: Countrypixel/Fotolia

Hendricks: EU-Kommission ignoriert Schäden für Flora und Fauna durch Glyphosat

Hendricks begründet ihr „Nein“ zur Zulassungsverlängerung des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs unter anderem damit, dass die EU-Kommission mögliche Schäden für Fauna und Flora vollständig außer Acht lasse. „Wir haben seit Beginn der Glyphosat-Debatte darauf hingewiesen, dass jede Neuregelung nachteilige Folgen für die biologische Vielfalt verhindern muss. Leider geht der neue Vorschlag der EU-Kommission darauf nicht ein“, so die Umweltministerin gegenüber der Bild-Zeitung.

Kanzlerin Merkel hingegen bekräftigte erst unlängst, sich für den weiteren Einsatz des Herbizids einzusetzen. Und auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hat sich für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung ausgesprochen. „Die Grundlage bei der Frage der Wiedergenehmigung von Glyphosat muss die wissenschaftliche Einschätzung sein. Politik muss nach belastbaren Gesichtspunkten entscheiden. Bei richtiger Anwendung des Wirkstoffs sehen die Wissenschaftler der nationalen und europäischen Behörden keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit von Glyphosat“, so Schmidt.

Neue Kritik: Hat das BfR das Krebsrisiko von Glyphosat falsch eingeschätzt?

Allerdings gibt es in der vergangenen Zeit wieder vermehrt Stimmen, die das Krebsrisiko von Glyphosat für unterschätzt halten. Der Wissenschaftler Professor Christopher Portier, ehemaliger Direktor des National Institute of Environmental Health Sciences der USA, sieht beispielsweise beim deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wissenschaftliche Fehler. Die Behörde hätte nur in jedem fünften Fall das erhöhte Krebsaufkommen bei Tieren unter Glyphosat-Einfluss erkannt.

Ein deutliches Zeichen setzte übrigens gerade Kalifornien: Es hat Glyphosat vergangenen Freitag auf eine Liste von Chemikalien gesetzt, die Krebs erregen können. Als Konsequenz müssen in dem Staat Produkte, die Glyphosat enthalten, binnen eines Jahres als „krebserregend“ gelabelt werden.

Über 1,3 Millionen Unterschriften gegen Glyphosat in Europa gesammelt

Der Streit um den Unkrautvernichter mobilisiert derzeit auch viele Europäer. So hat die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Stop Glyphosat“ vergangene Woche mehr als 700.000 Unterschriften allein aus Deutschland beim Bundesverwaltungsamt in Köln zur Überprüfung eingereicht. In weniger als fünf Monaten haben insgesamt 1.320.517 Menschen aus allen 28 EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet, meldet das Umweltinstitut München.

Damit wurde die notwendige Voraussetzung, innerhalb eines Jahres eine Million Unterschriften zu sammeln, deutlich übertroffen. Die Unterzeichner fordern von der EU-Kommission ein Verbot von Glyphosat und eine Reform des Zulassungsverfahrens für Pestizide. Das Umweltinstitut München sieht diese Zahl an Unterschriften als klaren Handlungsauftrag an die EU-Kommission.

Unterschriftenaktion zeigt große Besorgnis der EU-Bürger beim Thema Glyphosat

„Die Rekordgeschwindigkeit, mit der die Unterschriften gesammelt wurden, zeigt die große Besorgnis der europäischen Bevölkerung beim Thema Glyphosat“, so Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Hinter der EBI stehen rund 100 Organisationen in der EU.

Erst kürzlich hatte die EU-Kommission bekannt gegeben, eine Wiederzulassung von Glyphosat für weitere zehn Jahre zu planen. Voraussichtlich am 19. Juli diskutieren die Vertreter der Mitgliedstaaten über eine Wiederzulassung. Im Herbst könnte bereits die Abstimmung folgen.