Glyphosat: Wiederzulassung in Gefahr?

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In der Landwirtschaft drohen ohne Glyphosat bis zu 70 Prozent Einbußen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Foto: Pixabay

Frankreich könnte das Zünglein an der Waage sein, wenn es um die weitere Zulassung von Glyphosat über das Jahr 2017 hinaus geht. Laut dem französischen Umweltminister Nicolas Hulot will sich die „Grande Nation“ in der anstehenden EU-Abstimmung gegen eine Zulassungsverlängerung für das Herbizid aussprechen.

Frankreich meldet Zweifel an Sicherheit von Glyphosat an

Wie französische Medien berichten, hatte Hulot in dieser Woche Zweifel an der Unbedenklichkeit des Unkrautvernichters angemeldet. Bleibt Frankreich bei der Abstimmung in Brüssel bei dieser Haltung, ist Medienberichten zufolge die nötige qualifizierte Mehrheit für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung um weitere zehn Jahre in Gefahr.

Und auch sonst reißen die Diskussionen um den umstrittenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff nicht ab. Gleich zwei neue Meldungen sind es, die derzeit die Gemüter erhitzen und sich eher als Argumente „pro“ Glyphosat zu entwickeln scheinen: Zum einen wird einem Epidemiologen vorgeworfen, Glyphosat-entlastende Informationen vorenthalten zu haben. Zum anderen zeigt eine Studie, welche Verluste ein Verbot des Herbizids für die Landwirtschaft bedeuten könnten.

Vorwurf: Forscher hat wichtige Ergebnisse einer Glyphosat-Studie verschwiegen

Ende 2015 stufte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, die International Agency for Research on Cancer (IARC), Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein. Bei dieser Entscheidung habe ausgerechnet der Vorsitzende der zuständigen Arbeitsgruppe, Aaron Blair, wichtige Forschungsergebnisse verschwiegen, meldete Mitte Juni die britische Nachrichtenagentur Reuters.

Dadurch habe die IARC neue Ergebnisse der Agricultural Health Study ignoriert, einer großen Langzeituntersuchung, die sowohl in der Vergangenheit als auch in erst vier Jahre zurückliegenden Untersuchungen keinen „allgemeinen“ Zusammenhang zwischen Glyphosat und dem Non-Hodgkin-Lymphom, dessen Entstehung mit dem Wirkstoff in Verbindung gebracht wird, finden konnte. Davon hatte der Vorsitzende des Glyphosat-Gremiums seinen IARC-Kollegen aber laut Reuters wohl nichts mitgeteilt.

Eine neue Glyphosat-Studie der Kleffmann Group wurde zudem vor kurzem in Frankfurt vorgestellt: Danach führt ein mögliches Verbot von Glyphosat zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten in der Landwirtschaft.

Bis 70 Prozent Einbußen ohne Glyphosat in der Landwirtschaft

Die Studie untersuchte, wie sich der Deckungsbeitrag bei einem Glyphosat-Verbot auswirkt: Es führt laut Studie im Weinbau zu einem Verlust von bis zu 220 Euro und im Apfelbau von bis zu 186 Euro pro Hektar. Noch drastischer fielen die Auswirkungen bei Kulturen wie Gerste und Silomais aus. Hier würde der Deckungsbeitrag allein aufgrund des höheren Aufwandes um 40 bis 70 Prozent schrumpfen und könnte sogar ins Minus gehen, sofern Landwirte auch Ertragsverluste erleiden.

Folge: Wo der Anbau bestimmter Kulturen nicht mehr rentabel ist, werden sie aus dem Produktionssystem genommen. Sie müssten dann subventioniert werden oder Landwirte müssten auf andere Kulturen umsteigen. In der Konsequenz droht die Verarmung der Anbauvielfalt. Die Produktion bestimmter Kulturen könnte deutlich sinken.

Melde-Aktion des  NABU für Glyphosat

Große Resonanz erzielte unterdessen eine Glyphosat-Melde-Aktion des Naturschutzbundes (NABU): Über 300 Teilnehmer waren dem Aufruf gefolgt, Online-Händler zu nennen, die Glyphosat verkaufen. Anhand dieser Meldungen plant der NABU nun, die entsprechenden Firmen zu kontaktieren und aufzufordern, Produkte mit Glyphosat schnellstens auszulisten.

Die Melde-Aktion hat laut NABU auch die Bedeutung des Online-Handels gezeigt: Da mittlerweile die meisten Baumärkte und Gartencenter Glyphosat aus ihrem Sortiment genommen haben, dürfte von den über 70 Tonnen, die pro Jahr an Privatanwender verkauft werden, ein großer Teil aus dem Online-Handel stammen.

 

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