Pflanzenschutz

Glyphosat: Zulassung für weitere 15 Jahre?

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Die EU-Kommission will bereits diesen Mittwoch über eine Zulassungsverlängerung für Glyphosat für weitere 15 Jahre abstimmen. Mit EU-Agrarkommissar Phil Hogan gibt es mindestens einen starken Befürworter für die weitere Genehmigung des Wirkstoffs, wie das Irish Farmers Journal schreibt.

An einer Zulassungsverlängerung für Glyphosat scheiden sich weiterhin die Geister. Foto: countrypixel/Fotolia

Wenn es nach Hogan geht, soll die Anwendung von Glyphosat sowohl für die Landwirtschaft als auch für Hobbygärtner genehmigt bleiben. „Mit anderen Worten: Es sollte erlaubt bleiben, das gute alte Roundup weiterhin in gewohnter Weise zu benutzen“, so Hogan gegenüber dem Irish Farmers Journal. Der EU-Agrarkommissar beruft sich bei seiner Haltung auf wissenschaftliche Erkenntnisse, heißt es.

ECHA hatte Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft

Erst im März war die Europäische Chemikalienagentur ECHA zu der Überzeugung gelangt, dass das Herbizid nicht karzinogen sei. Nach Auffassung der EU-Behörde geben die derzeit vorliegenden wissenschaftlichen Studien keinen Anlass, Glyphosat als krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsschädlich einzustufen.

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss, dagegen empfindet die Überlegungen der EU-Kommission, den Pflanzenschutzmittelwirkstoff uneingeschränkt für weitere 15 Jahre zuzulassen, als „Schlag ins Gesicht der europäischen Bürger“. Eine solche Entscheidung widerspreche dem europäischen Vorsorgeprinzip, so der Politiker.

„Solange es Hinweise gibt, dass Studien, die auch der Europäischen Lebensmittelagentur (EFSA) und der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zur Überprüfung vorlagen, einseitig oder sogar komplett im Sinne der Hersteller manipuliert sind, sollten auch diese beiden Agenturen ihre Ergebnisse vorläufig in Frage stellen. Alles andere wäre unwissenschaftlich“, so Häusling.

Viele Europäer gegen Zulassungsverlängerung für Glyphosat

Zudem sei unter den EU-Mitgliedstaaten keine Mehrheit für die Wiederzulassung von Glyphosat zustande gekommen, und auch der Widerstand vieler europäischer Verbraucher gegen das Herbizid spreche eine deutliche Sprache. „Mehr als 40 europäische Umwelt-, Naturschutz- und Gesundheits-Organisationen haben sich in einer Europäischen Bürgerinitiative für den Stopp der Zulassung ausgesprochen. Knapp 700.000 Bürger haben schon unterschrieben“, betont Häusling.

Die EU-Kommission hatte die Zulassung von Glyphosat im vergangenen Jahr zunächst bis Ende 2017 verlängert. Die Entscheidung über eine erneute Verlängerung muss deshalb spätestens zum Jahresende erfolgen.