Pflanzenschutz

Interview: Kriterien für Listung invasiver Arten präzisieren

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Von Xylella über Lückenindikation und Bienenschutz bis hin zu invasiven Arten: So breit gefächert war das Themenspektrum bei der jüngsten Tagung des Arbeitsausschusses Umweltfragen des Zentralverbands Gartenbau (ZVG). Über aktuelle Pflanzenschutz-Fragen sprach die TASPO mit dem Ausschussvorsitzenden Siegfried Dann.

Ein in der Öffentlichkeit viel diskutiertes Thema ist „Pflanzenschutzmittel und Bienenschutz“ – was sagt der Ausschuss?

Dem Umweltausschuss sind diese Themen sehr wichtig. Ina Wirtz vom Institut für Bienenschutz erläuterte auf der Ausschusssitzung die Aufgaben des 2016 neu gegründeten Instituts: Forschung zum Bienenschutz, Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln und Untersuchungen von Bienenvergiftungen.

Gerade der Bienenschutz wird hoch emotional in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei wird oft der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel als alleinige Ursache eines Bienensterbens dargestellt. Frau Wirtz wies darauf hin, dass Bienenschutz und Pflanzenschutz keine unvereinbaren Gegensätze sind. Bei sachgemäßer Anwendung von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln gibt es keine negativen Auswirkungen auf Bienenvölker in der Praxis. Pflanzenschutz sichert wirtschaftliches Arbeiten, gesunde Lebensmittel und den Erhalt von landwirtschaftlich attraktiven Kulturen für Bienen.

Hat sich der Ausschuss auch mit Xylella fastidiosa auseinandergesetzt?

Ganz klar, das dringliche Thema wurde behandelt. Dr. Ernst Pfleilstetter vom Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit des JKI (Julius Kühn-Institut) informierte sehr ausführlich zum Sachstand und wies auf den breiten Wirtspflanzenkreis hin. Die Mitglieder zeigten sich sehr besorgt über die möglichen Gefahren.

Der Umweltausschuss betonte in der Diskussion, dass Gartenbau-Betriebe einer Reihe von Risikofaktoren ausgesetzt sind, denen selbst mit größter unternehmerischer Sorgfalt und größtem Einsatz nichts entgegengesetzt werden kann. Hierzu gehört auch das Auftreten von Quarantäneschädlingen. Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Probleme mit Quarantäneschädigern im Gartenbau ist die Politik gefordert, intensiv an Konzepten für eine finanzielle Unterstützung der Gartenbau-Betriebe zu arbeiten.

Herr Dann, was sagt der Umweltausschuss zu der Problematik der invasiven Arten?

Der Ausschuss begleitet das Thema schon lange und half bei der Erarbeitung der Empfehlungen des ZVG zum Umgang mit invasiven Arten (2008). Aktuell zeigt das Verbot von Pennisetum setaceum, dass europäische Verordnungen dazu auf nationaler Ebene zu unverständlichen Härten führen können. Vor allem, weil Regelungen in Deutschland sehr streng ausgelegt werden.

Warum können Arten, bei denen auszuschließen ist, dass sie in allen Mitgliedstaaten invasiv sind, europaweit als invasiv gelistet werden? Wie kann ein invasives Potenzial für lediglich zwei Mitgliedstaaten ausreichen, um in die Unionsliste aufgenommen zu werden?

Diese Praxis stößt bei den Unternehmern auf großes Unverständnis und erheblichen Unmut. Genau solche Rechtsvorschriften sind es, durch die das Verständnis für die Europäischen Institutionen in vielen Mitgliedstaaten dauerhaft Schaden nimmt. Bei der Bekämpfung invasiver Arten muss nach dem Grundsatz „nationale Probleme müssen auf Ebene der Mitgliedstaaten gelöst werden“ verfahren werden.

Das komplette Interview mit Siegfried Dann lesen Sie in der TASPO 39/2017, die am 29. September erschienen ist.