Pflanzenschutz

Interview: „Nach der Prüfung fängt die Arbeit erst an“

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Gerhard Kraus gehört seit 2015 zum ALB-Bekämpfungsteam der  Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und geht zusammen mit seinem Spürhund Louis auf die Jagd nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB). Wir sprachen mit dem Gartenbau-Ingenieur über seine Arbeit.

Gerhard Kraus und sein Hund Louis gehören zum ALB-Spürhundteam der LfL. Foto: privat

Herr Kraus, kann jeder Hund ALB-Spürhund werden?

Das ist wie bei allen Spürhund-Aufgaben von der Rasse abhängig. Louis ist ein Epagneul Breton und wie die anderen Jagdhunde gut geeignet zum Aufspüren. Gute Spürhunde sind auch andere Hunderassen wie Schäferhunde, Border Collies, Retriever, Beagle, Lagotto, aber auch Mischlingshunde.

Haben Sie das Tier gezielt angeschafft, um es zum Aufspüren von Asiatischen Laubholzbockkäfern auszubilden?

Ja. Ich habe meinen Hund allerdings nicht von einem Züchter, sondern aus einem spanischen Tierheim vor der Tötung gerettet. Ich dachte: mal ausprobieren, ob sich das Tier für das Aufspüren der Schaderreger eignet. Wenn es klappt, ist es schön, wenn nicht, ist es auch gut. Nicht jeder Hund hat an dieser Arbeit Spaß. Louis aber war von Anfang an begeistert.

Wie funktioniert die Ausbildung?

Das Österreichische Bundesforschungszentrum Wald (BFW) ist die einzige Ausbildungsstätte in Europa, die die Lizenz hat, ALB- und CLB-Spürhunde auszubilden und dafür lebendiges Material einzusetzen.

Zuerst darf der auszubildende Hund an der lebendigen Larve schnüffeln, sozusagen als Initialzündung, um ihn neugierig zu machen. Er identifiziert und „lernt“ den Geruch, vor allem lernt er, dass Herrchen sich sehr freut und ihn lobt, wenn er den Geruch wiederfindet.

In der Ausbildung wird danach mit allen Insektenstadien gearbeitet, aber auch mit unterschiedlichen Hölzern: Ahorn, Rosskastanie, Birke, Pappel, auch Bohrspäne und Reifungsfraß. Zum Training haben wir Holzstücke, in dem früher einmal eine Larve gefressen hat, das reicht der feinen Hundenase aus.

Wie weit ist Louis jetzt?

Im Mai letzten Jahres ist Louis zu uns gekommen, im August und Oktober haben wir schon die beiden zwei Ausbildungsmodule – jeweils eine Woche – durchlaufen und dann die Prüfung gleich im ersten Anlauf bestanden.

Und ab da waren Sie ein perfektes Team und konnten sofort potenzielle Befallsgebiete untersuchen?

Aber nein. Nach der Prüfung fängt die eigentliche Arbeit erst an, mit der Grundausbildung allein ist es nicht getan. Regelmäßiges Training ist wichtig. Richtig trainiert ist ein Hund erst nach ein bis zwei Jahren.

Louis und ich sind auf einem guten Weg, aber noch nicht perfekt. Wir arbeiten allerdings schon in unseren bekannten Befallsgebieten. Zunehmend fragen auch die Baumschulen nach, um die Importware aus Befallsgebieten wie Pistoia nach der Ankunft im Betrieb zu kontrollieren.