Pflanzenschutz

IVA: scharfe Kritik an Gewässer-Studie der Uni Koblenz-Landau

Scharfe Kritik übt der Industrieverband Agrar (IVA) an der Studie der Universität Koblenz-Landau, die das aktuelle Verfahren der EU zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wegen unzureichender Bewertungsmodelle in Frage stellt. Die Arbeit weise laut IVA gravierende inhaltliche und methodische Defizite auf. 

Die begrenzte Relevanz der Forschungsarbeit für die europäische Landwirtschaft zeige sich schon bei näherer Betrachtung der ausgewählten Feldstudien. So wurden laut IVA nur acht der insgesamt 22 den Berechnungen zugrunde gelegten Feldstudien in Ländern der EU durchgeführt, während der Löwenanteil aus Südafrika, den USA, Kanada und Argentinien stamme. Eigene Gewässerproben hätten die Forscher nicht genommen.

Viele der untersuchten Wirkstoffe seien in Deutschland nicht oder nicht mehr zugelassen oder werden in der hiesigen Landwirtschaft nicht verwendet, heißt es weiter. Auch würden die Anwendungsbedingungen in mindestens einer der fünf deutschen Feldstudien nicht den Normalfall der deutschen Landwirtschaft abbilden, sondern eine seltene Ausnahme.

Des Weiteren hätten sich die Forscher einseitig auf Fehler im Prognose-Verfahren festgelegt und nicht in Erwägung gezogen, dass die in der Umwelt gemessenen Konzentrationen auch aus anderen Quellen stammen könnten als mit dem mathematischen Prognose-Modell FOCUS-SW simuliert. So würden andere Studien belegen, dass 50 bis 70 Prozent der Einträge in Gewässer auf sogenannte Punkteinträge, also nicht fachgerechte Anwendung und Handhabung von Pflanzenschutzmitteln, zurückzuführen sind.

Nach Auffassung des IVA ist es jetzt an den zuständigen Zulassungsbehörden und ihren unabhängigen Wissenschaftlern, die Studie zu bewerten und zu prüfen, ob sich dennoch Anhaltspunkte zur Verbesserung des FOCUS-Modells für das Zulassungsverfahren ergeben könnten.

Das Umweltbundesamt (UBA) lässt derzeit in einem auf drei Jahre angelegten Forschungsprogramm Vorschläge für ein EU-weit einheitlich anwendbares Modell zur Zulassung erarbeiten. „Die Modelle in Europa zu harmonisieren, ist durchaus vernünftig“, erklärte Dr. Jörn Wogram, Leiter des Fachgebiets „Pflanzenschutzmittel“ im Fachbereich „Chemikaliensicherheit“, auf Anfrage der TASPO. Die vorliegende Studie der Universität Koblenz-Landau deute aber darauf hin, dass für ein genügend sicheres Modell noch Entwicklungsarbeit zu leisten sei. Das Forschungsvorhaben des UBA soll dazu mittelfristig verwertbare Ergebnisse liefern.

Laut Wogram lasse die Studie der Universität Koblenz-Landau keinen direkten Schluss auf die Verhältnisse in Deutschland zu, da das in der Studie genannte Modell hierzulande nicht zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln verwendet werde. Dennoch nimmt das UBA die Ergebnisse ernst, die bestätigt hätten, „dass prospektive Aussagen zum Eintragsrisiko nicht ausreichen“. Deshalb sollten Monitoringprogramme zukünftig nicht nur größere Gewässer berücksichtigen, da es sich etwa im Umfeld von landwirtschaftlich genutzten Flächen meist um kleinere Gewässer wie Bäche handele. (ts)