JKI und Pflanzenzüchter warnen vor mysteriösem Saatgut

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Weltweit erhalten derzeit vor allem Privatpersonen Saatgut zugeschickt, dass sie nicht bestellt haben. Experten raten dringend davon ab, die unbekannten Pflanzensamen auszusäen. Symbolbild: Hans Braxmeier/Pixabay

Weltweit werden derzeit mysteriöse Saatgut-Sendungen zugestellt. Woher die Pflanzensamen stammen und von wem sie verschickt werden, ist dabei nicht bekannt. Ebenso ist unklar, ob der Inhalt der Päckchen die phytosanitären Anforderungen erfüllt, weshalb das JKI und der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) dringend von der Aussaat abraten.

Unbekanntes Saatgut könnte mit Erregern und Schädlingen belastet sein

So könnte es sich bei den verschickten Samen beispielsweise um nichtheimische invasive Pflanzenarten beziehungsweise Unkräuter handeln, warnen die Experten. Auch wenn dies nicht der Fall ist, könnten sich am und im Saatgut etwa Pilze, Bakterien oder Viren befinden, die in Europa als Quarantäneschaderreger eingestuft sind und deren Einschleppung unbedingt verhindert werden soll. „Es ist nicht auszuschließen, dass das Saatgut mit Krankheitserregern oder Schädlingen belastet ist, die sich bei der Aussaat oder der Entsorgung in Kompost oder Biotonne verbreiten könnten“, so BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer.

Auch im Bundesgebiet bereits anonyme Saatgut-Sendungen aufgetaucht

Bei den mysteriösen Saatgut-Päckchen, die vorwiegend an Privatpersonen verschickt werden, dürfte es sich vermutlich um eine Werbeaktion von Online-Händlern handeln. Nachdem solche Sendungen zunächst hauptsächlich in den USA beobachtet worden waren, mehren sich inzwischen auch in Europa entsprechende Meldungen. Einer Abfrage des Julius Kühn-Instituts (JKI) in den für Pflanzengesundheit zuständigen Behörden der Bundesländer zufolge wurden im Bundesgebiet ebenfalls bereits solche Sendungen mit unbestellten Pflanzensamen ausgeliefert. „Die Dunkelziffer dürfte höher sein, denn nicht jeder schaltet die Behörden ein“, so das JKI.

Der konkrete Absender der Pflanzensamen ist derzeit noch nicht bekannt. Die Spur führe laut JKI jedoch nach Asien. Aufgrund der Umstände sei es entsprechend wahrscheinlich, dass die phytosanitären Anforderungen bei den Sendungen nicht beachtet wurden und durch eine Aussaat Gefahr für unsere heimischen Gärten, Parks, Wälder und Felder bestehen könne. „Es scheint fast eine Ironie des Schicksals zu sein, dass gerade im Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit 2020 solch mysteriöse Saatgut-Sendungen von sich reden machen“, sagt Katrin Kaminski vom Julius Kühn-Institut (JKI).

Nicht bestellte Pflanzensamen möglichst im Hausmüll entsorgen

Wer nicht bestelltes Saatgut erhalte, sollte dieses möglichst im Hausmüll und nicht über den Kompost oder die Biotonne entsorgen, so die Empfehlung von JKI und BDP. Im Zweifel könnten sich die Empfänger der unbestellten Pflanzensamen aber auch beim jeweils zuständigen Pflanzenschutzdienst – eine Auflistung der Ansprechpartner ist auf der Webseite des JKI zu finden – über den richtigen Umgang mit den mysteriösen Samen informieren.