Pflanzenschutz

Mäuseplage: Blutgerinnungsmittel nur noch beschränkt anwendbar

Mehrere Bundesländer haben derzeit mit einer Mäuseplage zu kämpfen. Nach Informationen des Deutschen Bauernverbandes (DBV) sind einzelne Getreidefelder von den Nagern bereits völlig zerstört. Künftig dürfen allerdings nur noch geschulte Endverbraucher Blutgerinnungsmittel der zweiten Generation gegen Mäuse und Ratten anwenden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) begründet diese Entscheidung mit Gefahren für die Umwelt und dem Auftreten von Resistenzen bei den Wirkstoffen (Antikoagulanzien). 

Mäuse übertragen das Hanta-Virus. Foto: Neudorff

Vor allem bei den Mitteln der zweiten Generation ist aus Sicht der zuständigen Behörden ein Resistenzmanagement erforderlich, um auch weiterhin potente Mittel zur Verfügung zu haben. Dieses erfordere ein Anwendungswissen, das sich der normale Verbraucher durch Schulung erwerben müsse. Hat er es nicht, darf er nur noch Mittel der ersten Generation gegen Wühlmäuse oder gegen Ratten und Mäuse in Fallen einsetzen sowie professionelle Schädlingsbekämpfer beauftragen.

Bei der Industrie stößt diese Entscheidung teilweise auf Unverständnis. So will der Pflanzenschutzmittel-Hersteller Neudorff eine Diskussion anstoßen und begründet seine Bedenken mit Hanta-Infektionen bei Menschen, als ein Beispiel für gefährliche Krankheiten, die von Mäusen, vornehmlich Rötelmäuse, die zur Gruppe der Wühlmäuse gehören, übertragen werden. Grippeähnliche Symptome bis hin zum Nierenversagen könnten die Folge sein. Eine Frau hatte sich beispielsweise beim Ausfegen ihres Gartenhauses durch den aufwirbelnden Staub infiziert.

Wenn der ungeschulte Verbraucher auf Fallen und Profi-Schädlingsbekämpfer zurückgreifen muss, befürchtet Neudorff eine massenhafte Ausbreitung von Mäusen und Ratten. Fallen seien nicht überall effektiv einsetzbar. Sie aufzustellen, bedeute zudem, direkten Kontakt mit den getöteten Ratten und Mäusen zu haben. Das erhöhe die Gefahr einer Infektion des Menschen. Mehr als 95 Prozent der im Handel angebotenen Produkte zur Ratten- und Mäusebekämpfung basierten auf Blutgerinnungshemmern. Dieser Umsatz bei Ratten- und Mäusebekämpfung breche für den grünen Einzelhandel weg.

Die ersten Rodentizide der zweiten Generation werden ab dem 1. Januar 2013 aus den Regalen der Geschäfte verschwinden, weitere Wirkstoffe werden folgen, bestätigt die BAuA. Antikoagulanzien der ersten Generation werden – vorbehaltlich der Zulassung – zur Anwendung gegen Wühlmäuse im Innenraum oder Gartenhaus den Verbrauchern aber weiter zur Verfügung stehen. Im Garten unterliegen pflanzenfressende Wühlmäuse bekanntlich dem Pflanzenschutzgesetz. Die Bekämpfung von Mäusen durch Landwirte oder Gärtner ist von der neuen Regelung zur Mäuse- und Rattenbekämpfung nicht betroffen. (rve/ts)