Pflanzenschutz

Mykorrhiza-Pilze für ein dauerhaft begrüntes China

Der "Freund der Wurzel" kommt aus dem Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, und er soll helfen, China zu begrünen. Für den Fachbegriff Mykorrhiza gibt es kein Pendant im Chinesischen, und deshalb wurde die freundliche Übersetzung für die Symbiose zwischen Pilzen und höheren Pflanzen in den Verträgen gewählt, die vor wenigen Tagen die kleine Firma AMykor im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit den Chinesen geschlossen hat. Das berichtet Weltonline am 8. Februar 2008.

AMykor hat ein Verfahren entwickelt, um Bodenpilze auf einem anorganischen Trägermaterial bis zu fünf Jahre lang lebensfähig zu erhalten. Dieses Wissen wollen die Chinesen nutzen, um ihre stark ausgelaugten und erodierten Böden wieder mit Thuja, Chinesischen Kiefern, Mandschurischen Linden, aber auch Gräsern zu bepflanzen. "Im aktuellen Vertrag übernehmen wir die Aufgabe, auf rund 20 Hektar zwischen 60.000 und 90.000 Bäume zu pflanzen", sagt Rainer Hacker, einer der beiden Geschäftsführer. "Wenn wir das hinbekommen, haben wir gute Aussichten auf größere Anschlussaufträge." Dann wird es darum gehen, Millionen von Bäumen und Sträuchern nicht nur in den Parks der großen Städte anzupflanzen, sondern auch große Areale auf dem Land aufzuforsten. Chinas degenerierte und mit Chemikalien belastete Böden sind zum Problem geworden. Um sie dauerhaft zu begrünen, brauchen die Pflanzen Hilfe, und die stellt AMykor in Form von Pilzen zur Verfügung. "Das Granulat enthält mehrere Pilzarten der Gattung Glomus, hauptsächlich jedoch Glomus intraradices, denn das ist ein Generalist", sagt Hacker. Das bedeutet, dieser Pilz bildet mit nahezu allen Pflanzen eine Mykorrhiza. Das ist keine Selbstverständlichkeit, die meisten Mykorrhizapilze sind ausgewiesene Spezialisten, das heißt, sie gehen nur mit wenigen, manchmal nur mit einer einzigen Pflanzenart eine Symbiose ein.

Glomus dagegen bildet sogar mit Gräsern eine Gemeinschaft. "Deshalb gehören zu unserem Pflanzprogramm nicht nur Bäume und Sträucher, sondern auchVetiveria zizanioides, ein Gras, das 3,5 Meter tief reichende Wurzelstöcke bildet und sich deshalb besonders gut für Bodenbefestigungen, insbesondere an Hanglagen, eignet", sagt Hacker. Außerdem wird das in Sri Lanka und Indien heimische Vetivergras bis zu 1,80 Meter hoch und bildet damit eine beachtliche Biomasse, die sich als nachwachsender Rohstoff nutzen lässt. Sogar für Chemiker ist das Vetivergras interessant. In Wurzelstock und Blättern bildet es Chemikalien, die hemmend auf Insekten wirken - möglicherweise Ausgangsstoff für ein neues Pflanzenschutzmittel.