Pflanzenschutz

Neue Erkenntnisse zum Eschentriebsterben

In Südschweden und Polen konnte um 1990 erstmalig ein neuartiges Triebsterben an Fraxinus excelsior beobachtet werden. Als Erreger wurde später Chalara fraxinea isoliert und beschrieben. Zwischenzeitlich konnte auch die Hauptfruchtform Hymenoscyphus pseudoalbidus beschrieben werden. Der Erreger hat sich bis heute rasch in viele Länder Nord- und Mitteleuropas ausgebreitet. Befallen werden Pflanzen in der Baumschule, im öffentlichen Grün und im Wald. Seit 2009 werden am Standort Ellerhoop insgesamt 28 Arten, Sorten und Sämlingsherkünfte der Gattung Fraxinus auf Anfälligkeit gegenüber dem neuen pilzlichen Erreger Chalara fraxinea untersucht. 

Typische Welkeerscheinung nach Befall mit Eschentriebsterben im Spätsommer. Foto: Dr. Heinrich Lösing

Gepflanzt und beurteilt wurden jeweils zehn Bäume pro Sorte beziehungsweise Herkunft in zweifacher Wiederholung. Zur gleichmäßigen Etablierung des Erreger erfolgte eine Zwischenpflanzung mit befallenem Baumschulmaterial. Neben der Prüfung unter natürlichem Befallsdruck, erfolgte ab 2011 ebenfalls eine „Chipveredlung“ mit erkranktem Gewebe. Pro Baum wurde dreimal veredelt.

Nach den vorläufigen Ergebnissen konnten erhebliche Unterschiede bei den Sorten von F. excelsior ermittelt werden. So ist die gelbrindige Sorte ‘Jaspidea’ besonders anfällig und die schlankwüchsige Sorte ‘Altena’ nach ersten Auswertungen gering anfällig. Beobachtungen an F. ornus aus öffentlichen Grünanlagen zeigen bisher keine Anfälligkeit dieser Art, was sich während der Untersuchungen nochmals bestätigt hat. Keine Anfälligkeit konnte ebenfalls bei F. americana und F. pennsylvanica und deren bisher geprüften Sorten beobachtet werden.

Bei einer Gesamtbetrachtung aller bisher gewonnen Erkenntnisse und dem Vergleich mit der systematischen Gliederung der Gattung Fraxinus in Sektionen fällt auf, dass von den geprüften Arten bisher nur Arten aus der Sektion Fraxinus befallen wurden. In dieser Sektion war Erkrankung feststellbar bei F. angustifolia, F. excelsior und F. mandshurica. An den Sektionen Meloides (bewertet F. americana, F. pennsylvanica) und Ornus (bewertet F. bungeana, F. ornus, F. sieboldiana, F. texensis) wurde bisher kein Befall festgestellt. Eventuell erübrigt sich daher die Prüfung weiterer Arten wie beispielsweise F. caroliniana, F. latifolia oder F. velutina.

Einen ausführlichen Beitrag zu den Ergebnissen, die der Autor auf der Wintertagung 2012 des Bundes deutscher Baumschulen in Goslar vorstellte, finden Sie in einer der kommenden Ausgaben der Deutschen Baumschule. (Dr. Heinrich Lösing)