Neuer Pflanzenschädling in Deutschland aufgetaucht

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Eine Blattunterseite mit Sporen von Peronospora aquilegiicola. Foto: Thomas Brand

Wie das Senckenberg Forschungsinstitut kürzlich bekannt gab, sei in Deutschland erstmals der ostasiatische Pflanzenschädling Peronospora aquilegiicola an Akeleien nachgewiesen worden. In einem Garten in Niedersachsen wurde der als sehr aggressiv geltende Schädling entdeckt.

Pflanzenschädling erstmals in Deutschland nachgewiesen

Senckenberg-Wissenschaftler haben in Niedersachsen erstmals an Akeleien den aggressiven Pflanzenschädling Peronospora aquilegiicola nachgewiesen, der ausschließlich Akeleien befalle und diese zum Absterben bringt. Bislang war dieser Pflanzenschädling aus Ostasien lediglich in Großbritannien bekannt, wo er die beliebten Zierpflanzen in öffentlichen Parks bereits großflächig vernichtet habe. In Niedersachsen fielen nun auch erstmalig in Deutschland Akeleien dem ostasiatischen Schädling zum Opfer, wie genetische Analysen der Senckenberg-Wissenschaftler bestätigten.

Peronospora aquilegiicola verursacht ‚Falschen Mehltau’

Peronospora aquilegiicola verursacht ‚Falschen Mehltau’ an Akeleien und gehört zu den Oomyceten. Obwohl sie wie Pilze aussehen, sind diese Organismen näher mit Braun- und Kieselalgen verwandt. Viele Oomyceten-Arten haben sich auf eine einzelne Pflanzenart spezialisiert – in diesem Fall sind es Akeleien“, erklärt Prof. Dr. Marco Thines vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Bei einer Akelei, die mit Peronospora aquilegiicola infiziert ist, verfärben sich die Blätter zunächst gelblich und werden später violett, zudem rollen sich die Blattränder nach außen. An der Blattunterseite bildet sich ein Belag aus Sporen des Oomyceten. Diese Sporen verteilen sich durch Wind oder Regenwasser-Spritzer. Langfristig sterben befallene Akeleien ab.

Schädling schafft den Sprung nach Kontinentaleuropa

Die Wissenschaftler vermuten die Herkunft des Schädlings in Ostasien, da er sich genetisch nicht von einer dort vorkommenden Oomyceten-Art unterscheidet. „2013 wurde diese Oomyceten-Art erstmals in England und Wales entdeckt. Seitdem hat sie sich auf der britischen Insel rasant ausgebreitet und dort einen Großteil der Akeleien in öffentlichen Parks auf dem Gewissen“, berichtet Thines. Durch den Fund in Niedersachsen wird die Ausbreitung des Pflanzenschädlings nach Kontinentaleuropa belegt, daher raten die Forscher zu Achtsamkeit. „Alle, die Akeleien-Arten in ihrem Garten oder Park haben, sollten aufmerksam sein, damit sich Peronospora aquilegiicola in Deutschland und Kontinentaleuropa nicht ausbreiten kann. Sonst laufen wir Gefahr, dass er sich wie andere Pflanzenschädlinge, beispielsweise der ‚Falsche Mehltau‘ des Basilikums, global ausbreitet und mehrere Millionen Euro Schaden anrichtet. Unser Ziel muss es daher sein, möglichst alle Infektionsherde zu identifizieren und zu beseitigen“.

Einschleppung noch unklar

Wie der Schädling allerdings seinen Weg nach Deutschland fand, sei bislang noch unklar. Am Fundort seien in den vergangenen 20 Jahren keinerlei Akeleien gepflanzt worden. Es wird daher vermutet, dass sich die Zierpflanzen unterstützt vom Wind selbst ausgesät haben. Vermutlich wurden in der Nachbarschaft aus England oder Wales importierte Pflanzen eingepflanzt, die dem Erreger als trojanisches Pferd dienten. Die genaue Herkunft liegt damit noch im Unklaren und wird derrzeit noch geprüft. Auch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen rät zur Achtsamkeit und bittet bei Verdachtsfällen um Mithilfe.

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