Pflanzenschutz

Nutzpflanzen: Trojanisches Pferd gegen Pilzerkrankung

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Dr. Frederik Wurm und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut in Mainz wollen Pilzerkrankungen an Nutzpflanzen zu Leibe rücken – mit einem „trojanischen Pferd“, das auf Nanotechnologie baut.

Dr. Frederik Wurm (rechts) und Thiago Machado (Links) bereiten die Reben für die Injektion ihres Nano-Wirkstoffes vor. Foto: MIP-M

Nanoteilchen transportieren Fungizid in Befallsherd

Einen ersten Test hat diese Pflanzenschutz-Technologie bereits vergangene Woche in Neustadt an der Weinstraße absolviert. Ziel des Versuchs: die Bekämpfung der Pilzerkrankung „Esca“, die das Holz von Weinrebenstämmen befällt und von innen zersetzt. Herkömmliche Spritzmittel bleiben hier ohne Wirkung, da sie bei äußerlicher Applikation nicht bis in das Innere der Stämme vordringen können.

Deshalb setzen Dr. Wurm und seine Kollegen auf Nanoteilchen, Kleinstträger, nur unter dem Mikroskop zu erkennen, gefüllt mit einem handelsüblichen Fungizid. Die kleinen Kugeln werden in einem chemischen Verfahren hergestellt und direkt in den Stamm der erkrankten Nutzpflanzen appliziert.

Trojanisches Pflanzenschutz-Pferd gegen Pilzerkrankung an Nutzpflanzen

Damit das Fungizid auch zur Entfaltung kommt, besteht die Hülle der Nanoteilchen aus dem Stoff Lingin, der einen der Hauptbestandteile von Holz ausmacht. Der Pilz, der auch den Stamm angreift, zersetzt die Hülle der Nanoteilchen und das Pflanzenschutzmittel tritt langsam aus. „Wir setzen dem Pilz quasi ein trojanisches Pferd vor“, sagt Wurm.

100 Weinstöcke mussten für den Test vergangene Woche herhalten. Die Wissenschaftler bohrten die Weinstöcke an und brachten die Nanoteilchen aus. Innerhalb einiger Wochen erwartet das Forscherteam die ersten Resultate. Die Weinreben wollen Sie sogar mehrere Jahre lang beobachten, um zu sehen, ob der Schutz durch die Nanoteilchen über einen langen Zeitraum greift.

Patent für biotechnologisches Pflanzenschutzverfahren angemeldet

Ein Patent haben Wurm und seine Forscherkollegen bereits angemeldet. Mit im Projekt-Boot sitzen das Institut für Biotechnologie und Wirkstoff-Forschung in Kaiserslautern sowie das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz. Durchgeführt werden die Testreihen am Institut für Pflanzenschutz in Neustadt an der Weinstraße.

Die Forschung von Dr. Frederik Wurm umfasst die Herstellung von bioabbaubaren Polymeren und Nanoträgern. Er wurde kürzlich mit dem Dozentenpreis des Fonds der deutschen chemischen Industrie ausgezeichnet.