Pflanzenschutz

Pestizideinsatz transparenter gestalten

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Natur- und Insektenschutz sind aktuell in aller Munde. Der Rückgang der Biodiversität wird vielerorts mit dem Ausbringen von Pestiziden in Verbindung gebracht, doch welche Menge der Mittel tatsächlich auf Feldern und Wiesen landet, sei nach wie vor unklar. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordert daher die Politik auf, Licht ins Dunkel zu bringen.

NABU fordert die Politik auf, den Pestizideinsatz transparenter zu machen. Foto: Erich Westendarp / Pixabay

Unzureichende Messung und Auswertung

In einer Meldung verkündet der NABU, dass die Gefahren, die von ausgebrachten Pestiziden ausgehen, EU-weit unzureichend gemessen und ausgewertet werden. „Es ist kaum vorstellbar: Im Daten-Zeitalter tappen wir bei Pestiziden weiter im Dunklen. Wir wissen nicht wie viel von ihnen auf unseren Wiesen und Feldern landet. Und das obwohl Insekten in rasantem Tempo verschwinden. Wirksamen Schutz für die Artenvielfalt bekommen wir auf Dauer aber nur hin, wenn der Pestizideinsatz deutlich sinkt“, so NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Zentrale Erfassung der Spritzbücher gefordert

Der Naturschutzbund erachtet es als zwingend notwendig, Zeitpunkte, Orte und exakte Mengen als Spritzserien sowie die gemeinsam ausgebrachten Wirkstoffe in Tankmischungen zu erfassen. Eine entsprechende Datengrundlage müsse geschaffen, die Spritzbücher der Betriebe zentral erfasst und ausgewertet werden. Dass eine Pestizid-Reduktion grundsätzlich möglich ist, zeigen Studien. Es sei zudem möglich, den Pestizideinsatz allein in der Bundesrepublik um 50 Prozent zu senken – bei gleichen Erträgen. Entscheidend ist, dass die Bundesregierung ihr Insektenschutzprogramm umsetzt und die in der geplanten Ackerbaustrategie identifizierten Probleme löst. Zudem muss das Prinzip des integrierten Pflanzenschutzes in Deutschland besser angewendet werden: Seit mehr als zehn Jahren schreibt das Ordnungsrecht vor, dass Pestizide erst dann zum Einsatz kommen sollen, wenn bereits alle Möglichkeiten vorbeugender und nicht-chemischer Methoden zur Schädlingsbekämpfung ausgeschöpft sind. Bis heute fehlen jedoch klare Kriterien, um dieses Prinzip umzusetzen, zu messen und zu überprüfen.  

Vielfältigere Fruchtfolge kann Schadorganismen automatisch verringern

„Klar ist auch: Vor allem in den Schutzgebieten muss der Einsatz von Pestiziden angegangen werden. Schutzgebiete müssen ihrem Namen gerecht werden können. Auch der Umstieg auf eine vielfältigere Fruchtfolge muss gelingen. Wenn künftig fünf statt nur drei unterschiedliche Früchte in Folge angebaut werden, kann sich das Aufkommen von Schadorganismen automatisch verringern. Und wir brauchen mehr Mut zum ‚Unkraut‘: Eine vielfältige Ackerbegleitflora kann das Aufkommen resistenter Kräuter und damit den Einsatz von Pestiziden reduzieren“, so Krüger. Auch die laufende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) müsse Landwirte dabei unterstützen, auf eine insektenfreundlichere und nachhaltigere Landwirtschaft umzustellen. „Pestizide sollten künftig auch nicht mehr aus kosmetischen Gründen eingesetzt werden“, fordert NABU-Pestizidexpertin Verena Riedl. Im Obst- und Gemüsebau geht weiterhin ein Großteil der Spritzungen auf das Konto der rein optischen Makellosigkeit. „Hier sind wir Verbraucher und der Lebensmitteleinzelhandel gefragt: Sind wir bereit, kleinere Makel in Kauf zu nehmen, wenn dafür weniger gespritzt wird?“

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