Pflanzenschutz

Pflanzenschutz: Parkinson als gärtnerische Berufskrankheit?

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Herbe Vorwürfe erhob unlängst die ARD-Sendung Monitor: Zwei ehemalige Gärtner äußerten darin – unterstützt von den Aussagen einer Wissenschaftlerin und eines Toxikologen – den Verdacht, ihre Parkinson-Krankheit sei auf ihre jahrzehntelange berufliche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen.

Sind Pflanzenschutzmittel schuld an der Parkinson-Erkrankung zweier Gärtner? Darum ging es in der ARD-Sendung Monitor. Foto: Tomasz Zajda/Fotolia

Parkinson Berufskrankheit von Gärtnern und Landwirten?

Kollegen hätten früher die Spritzbrühe mit der Hand umgerührt, es habe keiner gedacht, dass das giftig sein könnte, äußerte einer der beiden Betroffenen in der Sendung. Das Ansinnen der beiden Gärtner: Parkinson möge für Gärtner und Landwirte  auch in Deutschland als Berufskrankheit in Folge von Pflanzenschutzmittel-Anwendungen anerkannt werden – wie es in Frankreich bereits erfolgt sei.

Für die ARD-Sendung Monitor stand die Krankheit der beiden Gärtner stellvertretend für einen weiteren Pflanzenschutz-Skandal rund um „mindestens so gefährliche Stoffe wie Glyphosat – und davon jede Menge“, wie in der Anmoderation zu hören war. Die Vorwürfe: Krankheitsauslösende Stoffe in Pflanzenschutzmitteln kämen auch nach Zulassungsende noch weiter auf den Markt.

Jedes vierte Pflanzenschutzmittel zu Unrecht auf dem Markt?

Die Monitor-Vorwürfe beziehen sich auf die sogenannte „technische Verlängerung“ von bereits genehmigten Wirkstoffen: Deren Genehmigung kann in der EU – sofern aus Gründen, die von den Antragstellern nicht zu vertreten sind, Fristen nicht eingehalten werden – um die Dauer des Verfahrens verlängert werden.

23 Prozent aller EU-Zulassungen und damit jedes vierte Pflanzenschutzmittel beträfe diese verlängerte technische Zulassung, so Monitor: 112 von insgesamt 489 Stoffen seien aktuell nur mit einer Zulassungsverlängerung, also ohne die sonst vorgeschriebene abgeschlossene Neuprüfung, im Einsatz, darunter viele toxische.

IVA: „Sämtliche Fakten sind falsch“

Der Industrieverband Agrar (IVA) war im Vorfeld der Sendung von der Monitor-Redaktion mit einem umfangreichen Fragenkatalog um Stellungnahme gebeten worden und wandte sich unter anderem vehement gegen die Behauptung, Hersteller ließen Pflanzenschutzmittel bevorzugt bei den deutschen Behörden zu, weil sie hierzulande darauf hoffen könnten, wegen vorhersehbarer Fristüberschreitungen auch für nicht genehmigungsfähige Produkte Zulassungen zu erhalten.

Der IVA legte dazu dar: Sämtliche von Monitor hier angeführten Fakten seien falsch. Deutsche Behörden ließen Produkte nicht vorschnell zu. Im Gegenteil: In Deutschland seien die Fristüberschreitungen deshalb erheblich, da sich insbesondere das Umweltbundesamt mit der Prüfung viel Zeit lasse. Zudem sei der Antragseingang in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen.

ARD-Sendung hat Themen vermischt

So vermischten sich in dem Monitor-Beitrag leider zwei Themen: Die Frage nach der Anerkennung von Parkinson als gärtnerische Berufskrankheit und das komplexe Thema der Zulassungsproblematik von Pflanzenschutzmitteln. Für den abendlichen ARD-Zuschauer dürfte vor allem letzteres sehr schwer zu verstehen gewesen sein.

Was aber ganz sicher bei vielen hängen geblieben sein wird, ist die Botschaft „Gartenbau und Landwirtschaft versprühen unkontrolliert Gifte, und die lahmen Zulassungsbehörden sind schuld“. Eine unsachliche Verquickung, die viele Betriebe zu Unrecht verunglimpft hat.