Pflanzenschutz

Pflanzenschutz: Projekt „GreenGuard“ angelaufen

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Dümmen Orange will seine Jungpflanzen-Produktion auf integrierten Pflanzenschutz mit Nützlingseinsatz umstellen. Dabei kooperiert das Unternehmen mit Koppert. In einer Farm in Uganda ist das Projekt „GreenGuard“ inzwischen angelaufen.

Ausbringung von Raubmilben bei Dümmen Orange in Uganda. Foto: Dümmen Orange

Verbraucher wollen keine Pflanzenschutzmittel-Rückstände

Grund für die Kooperation sei das wachsende Interesse an nachhaltigen Produktionsmethoden, erklärt Thomas Bousart, Managing Director bei Dümmen Orange. Der Pflanzenschutz sei dabei ein wichtiger Faktor. Die Verbraucher wollten keine Rückstände in den Pflanzen. Organisationen wie Greenpeace machten mit Analysen zusätzlichen Druck.

Der Handel – vor allem Ketten – setze in diesem Bereich hohe Standards, wolle aber zugleich ein breites Sortiment. Dies sei in der (Jungpflanzen-)Produktion eine Herausforderung. Koppert biete mit seinen Pflanzenschutzprogrammen geeignete Lösungen an.

Integrierter Pflanzenschutz in großen Produktionseinheiten schwierig

In großen Produktionseinheiten ist der integrierte Pflanzenschutz nach Aussage von Bousart schwierig. In der Praxis seien deshalb vorbeugende Spritzungen der Standard. Dümmen Orange habe sich aber nach zweijährigen Tests an Topfchrysanthemen in einer Farm in Uganda im Herbst 2017 dazu entschieden, in der Jungpflanzenproduktion künftig auf integrierten Pflanzenschutz zu setzen – wegen des hohen Aufwands mit Koppert als Partner. Man setze soweit wie möglich auf biologische Lösungen, der chemische Pflanzenschutz solle minimiert werden.

Im ersten Schritt wurde die Produktion von Ausgangsmaterial für Topfchrysanthemen in der Farm in Uganda vollständig umgestellt, berichtet Bousart. Dazu mussten zunächst die Behörden in Uganda davon überzeugt werden, verschiedene Nützlings-Produkte von Koppert zuzulassen. Die Chrysanthemen seien bereits verfügbar. Die Stecklinge seien vitaler und von hoher Qualität, da der Stress in der Produktion geringer sei. Weitere Standorte und Kulturen sollen folgen, kündigt Bousart an. Dies brauche aber etwas Zeit.

Mit Nematoden und Raubmilben gegen Thripse und Spinnmilben

In der Farm in Uganda werden Nematoden sowie Raubmilben (Amblyseius swirskii, Amblyseius californicus) gegen Thripse und Spinnmilben eingesetzt, wie Ard van der Maarel, Sales International bei Koppert, ergänzt. Dadurch konnte im chemischen Pflanzenschutz die Zahl der Wirkstoffe von zehn bis zwölf auf drei bis vier reduziert werden. Behandlungen waren zum Beispiel noch gegen Chrysanthemen-Weißrost erforderlich. Durch die Wahl resistenter Sorten könnte sich die Zahl der Wirkstoffe weiter reduzieren lassen, erklärt van der Maarel.

Auf die Kosten der Stecklingsproduktion dürfte sich das neue Verfahren vermutlich nur wenig auswirken, meint Bousart. Es lägen aber noch nicht genug Daten vor. Der Stecklingspreis sei derzeit unverändert. Laut van der Maarel könnte die integrierte Produktion etwas teurer sein, zumindest bei Rosen sei der Ertrag aber auch höher.

„GreenGuard“ kennzeichnet Produkte mit geringeren Rückständen

Um das Konzept bekannt zu machen und damit zu werben, wurde der Begriff „GreenGuard“ kreiert – eine globale Marke für alle Produkte von Dümmen Orange, die nach den Regeln des integrierten Pflanzenschutzes produziert wurden und somit weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aufweisen. Die Kommunikation soll sich nur an die Branche richten – für Verbraucher sei das Thema zu kompliziert, meint Bousart.

Die Gärtner bekommen Informationen über die Vorbehandlungen der Stecklinge und können selber entscheiden, auf welche Pflanzenschutzstrategie sie setzen. Sie hätten aufgrund der reduzierten Rückstände mehr Optionen in der Produktion, zum Beispiel beim Nützlingseinsatz, so Bousart. Auf Fragen des Handels zum Thema Pflanzenschutz seien Gärtner mit der integrierten Produktion gut vorbereitet.