Pflanzenschutz

Pflanzenschutz: Zulassung dauert immer länger

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In den letzten Jahren dauern Antragsverfahren für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln erheblich länger als noch vor einigen Jahren. Bis zum Zulassungsbescheid vergehen oft drei, manchmal sogar vier Jahre. Woran liegt das?

Die Antragsverfahren für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln dauern immer länger. Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Pflanzenschutzmittel in Deutschland im zonalen Verfahren zugelassen

Ein Grund dafür ist, dass die meisten Pflanzenschutzmittel in Deutschland inzwischen im zonalen Verfahren zugelassen werden, wie Wilfried Hennes vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf dem diesjährigen Betriebsleitertag Produktion an der LVG Ahlem erläuterte.

Das bedeutet, ein Präparat wird in einem anderen EU-Staat zugelassen und Deutschland ist sogenannter „beteiligter Mitgliedstaat“. Nach Zulassung im Ausland haben die Zulassungsbehörden in Deutschland 120 Tage Zeit zu prüfen, ob diese Zulassung nach Deutschland übertragen werden kann. Dabei treten immer wieder Probleme mit der Übertragung auf deutsche Verhältnisse auf.

So gibt es bei vielen ausländischen Zulassungen bei der Angabe der Aufwandmengen keine Höhenstaffelung oder nur Prozentangaben für die Konzentration. Außerdem werden die Auflagen in Deutschland als nicht ausreichend anerkannt, beispielsweise bei Bonzi. In vielen Fällen fordern die deutschen Behörden auch ein vollständiges Datenpaket, führen nahezu eine nochmalige Zulassungsprüfung durch. Dass dadurch die „120 Tage-Frist“ nicht eingehalten werden kann, ist laut Hennes einleuchtend.

Vergleichende Bewertung für Pflanzenschutzmittel vorgeschrieben

Darüber hinaus ist seit dem 1. August 2015 die vergleichende Bewertung für Pflanzenschutzmittel vorgeschrieben, die sogenannte Substitutionskandidaten enthalten. Substitutionskandidaten sind Wirkstoffe, die ungünstige Eigenschaften im Hinblick auf die menschliche Gesundheit oder Umwelt haben. Solche Substitutionskandidaten dürfen nur zur Anwendung zugelassen werden, wenn es keine wirtschaftlichen und praktikablen Alternativen gibt, die deutlich sicherer für Mensch und Umwelt sind.

Da eine Reihe für den Zierpflanzenbau wichtiger Wirkstoffe zu den Substitutionskandidaten gehören, werde die vergleichende Bewertung zu zusätzlichen Verzögerungen bei der Zulassung führen, erläuterte Hennes.

„Antragsstau“ für Pflanzenschutzmittel bei den Zulassungsbehörden

Ebenfalls für Verzögerungen sorgt, dass es einen regelrechten „Antragsstau“ bei den deutschen Zulassungsbehörden gibt. Das liegt laut Hennes auch daran, dass es keinen Annahmestopp für Anträge gibt. In anderen Ländern der EU gibt es bei den Zulassungsbehörden Annahmestopps. So stieg die Zahl der zonalen Anträge von 54 im Jahr 2011 auf 155 im Jahr 2015, für 2016 liegen bereits 124 vor.

Außerdem gibt es bei vielen Pflanzenschutzmittelherstellern nur ein geringes wirtschaftliches Interesse, Produkte für Zierpflanzen zu entwickeln. Daher kommen kaum neue Präparate speziell für Zierpflanzen auf den Markt. Stattdessen werden Zulassungserweiterungen für Präparate aus dem Ackerbau, manchmal auch aus dem Obst- und Gemüsebau beantragt. Hier kommt es dann aufgrund fehlender Daten oft zu keiner oder nur eingeschränkter Zulassung, so Hennes.

Mehr zum Betriebsleitertag Produktion an der LVG Ahlem lesen Sie in der aktuellen TASPO 11/2016, die am 18. März erschienen ist.