Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel: besteuern oder nicht?

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Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln lässt sich durch deren Besteuerung minimieren. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Montag vorgestelltes Gutachten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) – und hat damit umgehend für heftige Diskussionen gesorgt. Um eine reine Mengenreduktion gehe es überhaupt nicht, so die Gegner des Gutachtens. Denn: In Gartenbau und Landwirtschaft werde kein unnötiger Pflanzenschutz betrieben.

Laut ZVG gibt es im Gartenbau keinen unnötigen Pflanzenschutzmitteleinsatz. Foto: Robert Kneschke/Fotolia

ZVG gegen Steuern und Abgaben auf Pflanzenschutzmittel

So spricht sich etwa der Zentralverband Gartenbau (ZVG) ausdrücklich gegen die im Gutachten befürworteten Steuern und Abgaben auf Pflanzenschutzmittel aus. Vielmehr sei der Gartenbau mit seinen vielfältigen Kulturen auf geeignete und sichere Pflanzenschutzmittel angewiesen. „Die Diskussionen um eine reine Mengenreduktion sind schon mit dem Nationalen Aktionsplan ad acta gelegt worden, sie sind von gestern. Im Gartenbau wird kein unnötiger Pflanzenschutz betrieben“, sagt dazu ZVG-Präsident Jürgen Mertz.

Der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) plädiert für eine Verfügbarkeit von mindestens drei Wirkstoffen mit unterschiedlichem Wirkungsmechanismus, um Resistenzen nachhaltig entgegenzuwirken. Gleichzeitig setzt der Nationale Aktionsplan auf eine Verminderung der Risiken durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. „Dazu stehen wir und beteiligen uns“, so Mertz.

Gartenbau: verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutz

Wie der ZVG-Präsident deutlich macht, beteiligen sich Gartenbaubetriebe schon seit langem freiwillig an der Dokumentation der Pflanzenschutzanwendungen. Die Auswertung der Daten zeige deutlich den verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. „Steuern oder Abgaben auf Pflanzenschutzmittel treiben zwar die Kosten in die Höhe, den Absatz und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beeinflussen sie aber nicht“, so Mertz weiter.

Eine ähnliche Position vertritt auch der Deutsche Bauernverband (DBV). Zudem würde eine Besteuerung von Pflanzenschutzmitteln nicht deren Verwendung einschränken, sondern nur die landwirtschaftliche Erzeugung verteuern, gibt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken zu bedenken. „Entscheidend ist, dass Pflanzenschutzmittel nur nach einem strengen Zulassungs- und Prüfungsverfahren für die Landwirtschaft zum Einsatz kommen, Anwendungsbestimmungen beachtet und von sachkundigen Landwirten verwendet werden“, so Krüsken.

Bioland befürwortet „Pestizidabgabe“

Befürwortet wird eine „Pestizidabgabe“ dagegen von Bioland. Zudem fordert der Verband ökologischer Erzeuger ein Verbot besonders gefährlicher Pflanzenschutzmittel. „Die Empfehlung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zur Einführung einer Pestizidabgabe findet unsere volle Unterstützung. So würden erstmalig die Verursacher an den durch sie veranlassten sozialen und Umweltfolgekosten des Pestizideinsatzes beteiligt“, so Jan Plagge, Präsident von Bioland.

Dem Gutachten zufolge würde der Einsatz von Pestiziden durch eine entsprechende Abgabe kurzfristig um 20 Prozent, langfristig um 35 Prozent sinken. „Wir brauchen Antworten auf den immer weiter steigenden Pestizideinsatz. Verbote bestimmter Pestizide sind überfällig“, so Plagge. Als Beispiele nennt Plagge hier unter anderem Glyphosat und bienengefährliche Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide.

BÖLW: Nationaler Aktionsplan reicht nicht

Ebenfalls begrüßt wird eine Pestizidabgabe vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). „So lange die Verschmutzung von Wasser und die Schädigung der Artenvielfalt durch den massiven Pestizideinsatz für die Verursacher kostenfrei bleiben, wird eine umweltfreundliche Bewirtschaftung wie der Ökolandbau verhindert“, argumentiert der BÖLW-Vorsitzende Felix Prinz zu Löwenstein.

Der unter anderem vom ZVG ins Feld geführte Nationale Aktionsplan reiche nicht aus, um die in den vergangenen 20 Jahren um fast 40 Prozent gestiegene Absatzmenge von Pestiziden wirkungsvoll zu begrenzen, so zu Löwenstein. „Wir benötigen dringend wirksame Instrumente, um die Ressourcen zu schützen und die umweltfreundlichste Landwirtschaft zu stärken“, so der BÖLW-Vorsitzende.