Pflanzenschutz

Pflanzenschutzmittel: Handel stärker kontrollieren

, erstellt von

Rund 14 Prozent der 2017 in der EU gehandelten Pflanzenschutzmittel waren Schätzungen zufolge gefälscht. Um dem Handel mit illegalen Mitteln einen Riegel vorzuschieben, sprechen sich Experten vor allem für schärfere Kontrollen aus – an den Grenzen und im Internet.

Allein im Jahr 2016 wurden 17.800 Tonnen Pflanzenschutzmittel, überwiegend aus Asien, auf dem Seeweg nach Hamburg geliefert. Foto: Pixabay

Illegale Pflanzenschutzmittel gefährden Umwelt und Gesundheit

Auf Einladung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) trafen sich internationale Fachleute am 6. und 7. November in Braunschweig zu einem Symposium, um über Maßnahmen zur Bekämpfung des weltweiten Handels mit illegalen Pflanzenschutzmitteln zu diskutieren. Denn gefälschte oder nicht zugelassene Präparate können ein Risiko für Umwelt und Gesundheit darstellen und großen wirtschaftlichen Schaden verursachen.

Allein die in der EU im vergangenen Jahr gehandelten gefälschten Pflanzenschutzmittel hatten ein Marktvolumen von rund 1,3 Milliarden Euro, schätzt das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO). Der weltweite Anteil illegaler Präparate am Gesamtmarkt für Pflanzenschutzmittel soll sich demnach auf jährlich über sechs Milliarden Euro belaufen.

BVL weitet Überwachung des Internethandels aus

„Wir haben es hier mit einer Form der organisierten Kriminalität zu tun, die globale Lieferketten entwickelt hat und weltweit agiert“, umriss BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky in seiner Begrüßungsrede vor rund 80 internationalen Experten die Dimension des Problems. Statt geprüfter und amtlich zugelassener Substanzen, würden gefälschte Produkte mit unbekannten Chemikalien-Mixturen in Umlauf gebracht. „Niemand weiß, was darin enthalten ist, niemand hat sie getestet“, so Tschiersky.

Wie der BVL-Präsident ankündigte, will seine Behörde die Überwachung des Internethandels künftig auch auf Pflanzenschutzmittel ausweiten. Eine entsprechende Vereinbarung mit den Bundesländern soll in Kürze abgeschlossen werden. Darüber hinaus werden im BVL-Labor für Formulierungschemie Analysemethoden entwickelt, um verdächtige Produkte umfassender untersuchen und somit illegale Pflanzenschutzmittel identifizieren zu können.

Deutschland oft nur Zwischenstation

Entscheidende Bedeutung bei der Bekämpfung des Handels mit illegalen Produkten hat nach Auffassung der Experten die Kontrolle an den Außengrenzen der EU. Bereits seit 2009 kontrolliert deshalb der Pflanzenschutzdienst beispielsweise im Hamburger Hafen verstärkt Pflanzenschutzmittel-Lieferungen, die auf dem Seeweg nach Europa gelangen, wie Dr. Jörg Buddemeyer von der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation berichtete.

Keine leichte Aufgabe, in Anbetracht von 17.800 Tonnen Pflanzenschutzmitteln, die allein im Jahr 2016 überwiegend aus Asien nach Hamburg geliefert wurden. Etwa zwei Drittel der Substanzen befinden sich laut Buddemeyer im Transit und werden weiter in andere EU- und Drittstaaten verschifft. „Gerade die Kontrolle beim Transit muss verschärft werden“, forderte deshalb Dr. Thierry Henne von OLAF, der Antibetrugsbehörde der Europäischen Kommission.

EU-weite Harmonisierung der Kontrollen

Hoffnungen setzten die Teilnehmer des zweitägigen BVL-Symposiums in die neue EU-Kontrollverordnung 2017/625, die bis Ende nächsten Jahres umgesetzt werden muss. Diese sieht erstmals klare Regelungen für die Kontrolle des Handels und der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor. Derartige Kontrollen gibt es bereits in vielen EU-Staaten wie der Bundesrepublik. Diese sollen nun EU-weit harmonisiert werden.