Pflanzenschutz

Phytophthora cactorum: Der Pilz tritt in vielen Betrieben auf

Beim Anbau von Stiefmütterchen rückte in den letzten Jahren die durch Phytophthora cactorum verursachte Pilzkrankheit in den Vordergrund. Dies betreffe vor allem die im Herbst vermarkteten und daher bei hohen sommerlichen Temperaturen kultivierten Violen, sagte Pflanzenschutzberater Rainer Wilke vom Pflanzenschutzdienst Nordrhein-Westfalen bei der Frühjahrsblüher 2011-Fachtagung in Veitshöchheim.

Pflanzenschutzberater Rainer Wilke im passenden Frühjahrs-Outfit bei der Frühjahrsblüher-Fachtagung. Foto: Edwin Hanselmann

Zwar müsse man schon ab etwa acht Grad mit Infektionen rechnen. Doch brauche der mittlerweile stark verbreitete Pilz etwa 18 Grad, um sich gut zu entwickeln. Bei der mit niedrigen Temperaturen gefahrenen Anzucht von Violen für den Frühjahrsverkauf tritt Phytophthora cactorum daher seltener auf.

Phytophthora cactorum verursacht Welke, verbunden mit Vergilben der oberirdischen Pflanzenteile. Zu den typischen Merkmalen zählt auch, dass die Wurzeln noch längere Zeit weiß bleiben und daher gesund aussehen. Mit seinen Dauersporen verbleibt der Pilz lange im Boden und an Substratresten.

Dass schon geringe Mengen infizierter Erdreste als Infektionsquelle ausreichen, zeigte Wilke mit einem Versuchsergebnis. Hierbei gab es drei Varianten:

1. Pflanzen wurden in ein mit Phytophthora cactorum infiziertes Substrat getopft;

2. Gesunde Pflanzen in nicht infiziertes Substrat getopft, aber auf eine mit Phytophthora cactorum infizierte Erdschicht gestellt;

3. Ebenfalls gesunde Pflanzen in nicht infiziertes Substrat getopft; diese Pflanzen standen nicht auf einer Erdschicht, sondern in Behältern, in denen sich einige mit Phytophthora infizierte Erdreste befanden.

Kultiviert wurde bei hohen Temperaturen bis 30 Grad. Erwartungsgemäß ließen sich bei der Variante 1 schon nach drei bis vier Tagen erste Symptome der Krankheit erkennen. Nach elf Tagen waren etwa 30 Prozent der Pflanzen ausgefallen. Aber auch bei den Varianten 2 und 3 brachte Phytophthora cactorum die Pflanzen zur Strecke, wenn es auch einige Tage länger dauerte.

Hierbei überraschte, dass die Infektionen bei Variante 3 genauso schnell erfolgten wie bei Variante 2. In beiden Fällen wurden nach 16 Tagen erste kranke Pflanzen festgestellt. Nach 22 Tagen war rund ein Drittel der Pflanzen stark geschädigt.

Wie Wilke zugleich erwähnte, sind kontaminierte Stellflächen in vielen Betrieben mit Violenanbau der Ausgangspunkt für den Befall mit dieser Pilzkrankheit. Im Rheinland stünden viele Violen auf Stellflächen mit Mypex-Folie auf einer Lavaschicht.

Das Pflanzenschutzamt nahm Proben in 15 Betrieben und konnte in sieben Fällen – also fast der Hälfte – eine Kontamination mit dem Pilzerreger feststellen (entweder auf der Folie oder in der Lavaschicht).

Zur Stellflächensanierung merkte er an: „Im Gewächshaus kann man mit chemischen Präparaten etwas tun, im Freiland weniger!”

Als Fungizide mit guter oder mittlerer Wirksamkeit gegen Phytophthora wurden unter anderem Aliette WG (Wirkstoff: Fosetyl), Fonganil Gold (Wirkstoff: Metalaxyl-M) und das neuerdings verfügbare Fenomenal genannt. Dieses Präparat von Bayer CropScience enthält die Wirkstoffe Fenamidone und Fosetyl-Al.

Das gegen pilzliche Krankheiten an Erdbeeren und Zierpflanzen zugelassene Präparat wirkt vor allem gegen Phytophthora und Pythium (für detaillierte Informationen siehe Gebrauchsanleitung sowie Produktbeschreibung und Sicherheitsdatenblatt im Internet).

Präparate mit dem Wirkstoff Propamocarb – also Previcur N und Proplant – wirken nach Angabe Wilkes zwar gut gegen Pythium. Eine ausreichende Phytophthora-Bekämpfung sei damit aber nicht möglich. Er erwähnte auch den für die Phytophthora cactorum-Bekämpfung nötigen hohen Brüheaufwand. Man müsse Gießbehandlung wählen.

Das mit geringerem Aufwand denkbare Spritzen sei hier nicht hilfreich. Dass im Kartoffelanbau gegen Phytophthora gespritzt wird, sei nicht mit der Situation bei Zierpflanzen vergleichbar. Und zwar deshalb nicht, weil es sich dort um Phytophtora infestans und damit nicht um die bei Zierpflanzen relevanten Phytophthora-Arten handelt.