Pflanzenschutz

Razzia bei Händler: Weiterer Schlag gegen illegale Pflanzenschutzmittel im Raum Pinneberg.

Pinneberg. Aufgrund einer Spur aus der im Februar dieses Jahres erfolgten Polizeiaktion in mehreren Bundesländern gegen den Handel mit illegalen Pflanzenschutzmitteln ist den Behörden nun ein weiterer Schlag gelungen. Ausgangspunkt war ein Hinweis des Pflanzenschutzdienstes aus Hamburg im Februar 2009, heißt es dazu im Polizeibericht der Polizeidirektion Bad Segeberg vom 8. Juni. Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Referat Kontrollen) als zuständige Behörde sei diesem Hinweis aus Hamburg zusammen mit dem Umweltschutztrupp des Polizei-Bezirksreviers Pinneberg schnell und konsequent nachgegangen. Dabei sei der illegale Handel von hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln in einer Größenordnung von 18 Tonnen aufgeflogen. Als hauptverdächtig gelten ein 76-jähriger Düngemittelhändler und sein Sohn, die aus dem Kreis Pinneberg stammen.

Bei der Durchsuchung wurden laut Polizeibericht diverse in Deutschland und Europa nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel auf dem Betriebshof vorgefunden und fünf Tonnen zur Verhinderung des Weiterverkaufs sichergestellt. Weiterhin erfolgte für weitere und noch andauernde Ermittlungen die Beschlagnahme der Buchhaltung. Erschwert habe die Ermittlungen, dass die illegalen Substanzen in den Rechnungen durch Umbenennungen verschlüsselt wurden.

Nach Bekanntwerden der Verkaufszahlen gingen die Ermittlungen den Angaben zufolge weiter, und es folgte eine zweistellige Anzahl von Durchsuchungen bei den Ankäufern. Hierbei habe es sich in der Regel um Betreiber von Baumschulen gehandelt. Bei den Kontrollen seien die Verdachtsmomente untermauert und bislang 39 Ermittlungsverfahren gemäß des Pflanzenschutzgesetzes gegen die Betreiber eingeleitet worden. Diese Ermittlungen dauerten noch an.

Nach Angaben von Dr. Maren Feil vom Referat Kontrollen des Pflanzenschutzdienstes in Rendsburg gegenüber der TASPO konzentrierten sich die Ermittlungen im vorliegenden Fall vorrangig auf die Produkte Gramoxone, Basamid Granulat, Metasystox R, Casoron und ein Kombiprodukt Paraquat/Deiquat. Aus den Büchern gehe ein illegales Handelsvolumen von 18 Tonnen hervor, vorgefunden wurden laut Feil am Tag der Durchsuchung in Wedel etwa zehn Tonnen Pflanzenschutzmittel, von denen etwa 50 Prozent (fünf Tonnen) nicht verkehrsfähig waren. Auslöser der aktuellen Razzia war laut Feil der Hinweis auf eine Lieferung aus dem Hamburger Fall mit Gramoxone chinesischer Herkunft. Gramoxone mit dem Wirkstoff Paraquat dürfe seit dem 1. Januar 2009 EU-weit weder gehandelt noch angewendet werden. In Deutschland bestehe überdies eine Entsorgungspflicht für Paraquat-haltige Pflanzenschutzmittel.

Metasystox gebe es nicht mehr auf der EU-Wirkstoffliste, es besteht Anwendungsverbot und Entsorgungspflicht. Aus den Niederlanden stammte das aufgefundene Unkrautbekämpfungsmittel Casoron (Wirkstoff Dichlobenil). Es sei in Deutschland nicht zugelassen. Beim aufgefundenen Basamid Granulat handele es sich um nicht verkehrsfähige italienische Importware.

Laut Polizeibericht ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe gegen den 76-jährigen Haupttäter wegen des Verstoßes gegen das Strafgesetzbuch, das Chemikalien- und Markengesetz. Ferner habe er sich wegen diverser Verfehlungen nach dem Pflanzenschutzgesetz zu verantworten.

Der Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) verurteilte in einer Mitteilung den Handel mit illegalen Pflanzenschutzmitteln. Das Ansehen der gesamten Branche dürfe nicht geschädigt werden.