Pflanzenschutz

Regiobaumtag: Baumschutz auf der Baustelle

Zum 20-jährigen Jubiläum seines Garten- und Landschaftsbaubetriebes hatte Gärtnermeister Markus Hügel aus Rümmigen eine Idee: Gemeinsam mit Baumpfleger Ulrich Pfefferer von Pfefferer Baumkultur und dem Gehölzsachverständigen Peter Klug gestaltete er einen Fortbildungstag für Fachleute rund um die Baumpflege. Mit Unterstützung durch Fachberater Klaus Nasilowski vom Landratsamt Lörrach wurde der erste Regiobaumtag im südwestlichen Dreiländereck Wirklichkeit.

74 Fachleute aus Garten- und Landschaftsbau und dem kommunalen und privaten Baumpflegebereich fanden den Weg nach Rümmingen bei Lörrach, darunter viele Schweizer Kollegen. Tagungsort war der „Gartenpunkt“ der Firma Hügel, der neu errichtete Betriebshof mit vielen Schaugärten und Objekten.

Über den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) und seine Auswirkungen referierte Fachberater Klaus Nasilowski. Der ALB ist ein großer Bockkäfer, dessen Larve in gesunden Laubbäumen lebt und diese langfristig zerstören kann. Wegen seiner Gefährlichkeit ist der ALB in der EU und in der Schweiz als Quarantäne-Schadorganismus eingestuft. Die Länder sind verpflichtet, alles zu tun, damit sich der Quarantäneschädling nicht in Europa ausbreitet. Vor wenigen Wochen besuchte eine Kommission der EU das „Befallsgebiet Weil am Rhein“, um die von den Behörden ergriffenen Maßnahmen zu kontrollieren.

Bereits seit Jahren werden im Rheinhafen Schiffsladungen mit Steinen und Verpackungsholz aus Ostasien angelandet. Das Regierungspräsidium Freiburg, als zuständige Pflanzenbeschaubehörde, führt deswegen regelmäßige Kontrollen der Holzimporte durch. Die Exporteure sind gemäß internationalem Abkommen verpflichtet, die Freiheit von Holzschädlingen durch Wärmebehandlungen sicherzustellen. Dennoch werden immer wieder lebende Larven und auch Käfer bei den Kontrollen entdeckt.

Im Jahr 2012 haben Baumkontrolleure im Hafengebiet zwei befallene Bäume entdeckt: eine Platane und einen Ahorn. Der Ahorn hatte einen Stammdurchmesser von nur fünf Zentimetern. Beide Bäume und alle Bäume im 200-Meter-Radius wurden vorsorglich gefällt und vernichtet. Seitdem hat das Landratsamt Lörrach – gemäß der Richtlinie des Julius Kühn-Institutes – eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung des ALB erlassen. Diese sieht unter anderem intensive Baumkontrollen in der eingerichteten Quarantänezone vor.
In der stark gefährdeten Zone wurden bereits über 200 Bäume von Baumsteigern untersucht. Sie hatten zuvor eine Schulung zur Erkennung des ALB absolviert. Für die Verbringung von Gehölzen, Brenn- und Schnittholz gelten in der Quarantänezone besondere Regeln. Bei Befallsverdacht ist eine Überprüfung durch Fachleute notwendig.

Fangbaumprojekt im Rheinhafen
Die Folge eines Befalls sind angeordnete Rodungen. Diese führen zwangsläufig zu einer laubgehölzfreien Zone im gefährdeten Gebiet. Als Folge ist zu erwarten, dass die Käfer auf der Suche nach neuen Wirtsbäumen aus diesen Bereichen herausfliegen und sich neue Wirtspflanzen suchen. Es ist bekannt, dass die Käfer mehrere 100 m bis zu einem Kilometer fliegen können. Diese ungewollte Förderung der Verbreitung des Schädlings ist jedoch unbedingt zu vermeiden.

Wenn die Käfer jedoch Wirtsbäume in direkter Umgebung finden, fliegen sie voraussichtlich nicht so weit. Aus diesem Grund erscheint es sinnvoll, in unmittelbarer Nähe der Fundorte sogenannte Fangbäume zu pflanzen. Diese Bäume werden regelmäßig kontrolliert und werden bei Befall ausgetauscht.
In der Befallszone Weil hat das Landratsamt Lörrach mit Unterstützung durch das Regierungspräsidium Freiburg im letzten Jahr 35 Fangbäume gepflanzt. Gewählt wurde Spitzahorn in kompakt wachsenden Sorten (‘Eurostar’, ‘Farlakes Green’) als Hochstamm mit 16 Zentimeter Stammumfang. Die Bäume stehen im Hafengelände und am Rand des Rheinparks. Zehn Bäume wurden in 230 Liter Pflanzkübel getopft, damit sie im Hafen flexibel eingesetzt werden.


Spürhundteam auf Käfersuche
Im letzten Jahr hat sich Hundeführerin Nina Pfarr mit ihren Labrador Hündinnen zum Anoplophora-Spürhund-Team ausbilden lassen. Bei dieser Ausbildung am österreichischen Institut für Waldschutz erlernen Mensch und Hund die Suche nach dem ALB und dem Zitrusbockkäfer (beide sind Käfer der Gattung Anoplophora). Danach muss regelmäßig selbst trainiert werden.

Die Hunde werden auf die Erkennung des speziellen Geruches der Schädlinge trainiert. Sogar Jahre nach der Käferaktivität können die Hunde einen Befall aufspüren. In Weil kontrolliert das Spürhundteam von Nina Pfarr regelmäßig im Auftrag des Regierungspräsidiums befallsverdächtige Bäume. Zur Zeit gibt es in ganz Deutschland nur vier ausgebildete Anoplophora-Spürhunde. In den nächsten Tagen wird auch Hundeführer Joel Sorg aus Basel mit seinem Schäferhund Enduro wieder im Praxis-Einsatz sein. Denn im schweizerischen Friburg ist gerade ein größerer ALB Befallsherd entdeckt worden. (Klaus Nasilowski)