Pflanzenschutz

Risiken durch neue Erreger: Gegenmittel fehlen und zum Teil auch Lösungsansätze

Verstärkt beschäftigt sich der Bund deutscher Baumschulen (BdB) mit dem Thema Auftreten neuer Schädlinge und Krankheiten, wie Karl-Friedrich Ley vom Ausschuss Produktion und Umwelt am Beispiel seines Ausschusses ausführte. Ferner wurden nach seinen Worten Vertreter des BdB vom Julius-Kühn-Institut zu einem Workshop, der im Februar genau zu diesem Thema stattfindet, eingeladen. Ley: "Wir wissen alle, dass der globale Handel mit Pflanzen sowie der Klimawandel in den vergangenen Jahren vermehrt zur Einschleppung von neuen Schaderregern an Pflanzen geführt haben". Ley erinnerte dabei an invasive und eingeschleppte Schädlinge wie den Asiatischen Laubholzbockkäfer, den Citrusbockkäfer sowie den Thujasplintkäfer oder diverse Borkenkäfer.

Entdeckt wurden das Buxus-Sterben und das Eschensterben. Vermehrt ausgebreitet haben sich laut Ley Phytophthora und Pseudomonas. Andere Schaderreger seien auf dem Vormarsch. Dies könne zu hohen ökonomischen und ökologischen Schäden führen.

Die Baumschulen stellten sich diesem Thema und der Ausschuss Produktion und Umwelt habe bereits erste Konsequenzen beraten. An die Betriebe richtete er den Appell:

- auf die Betriebshygiene zu achten,

- auf die Eingangskontrolle bei zugekaufter Ware zu bestehen,

- mit den Beratern des Betriebes geeignete Pflanzenschutzstrategien zu entwickeln.

Das Ziel der Baumschulen werde sein, den Kunden auch weiterhin qualitativ hochwertige und gesunde Pflanzen zu liefern. Auch in anderen Fachausschüssen kam das Thema zur Sprache. Peter Heydorn vom Fachausschuss Laubgehölze erinnerte zunächst an das Thema Verticillium bei Gehölzen, über das bereits im vergangenen Jahr intensiv auf der BdB-Wintertagung informiert und diskutiert wurde. Laut Heydorn gibt es noch keine neuen Erkenntnisse, wie diesem Problem begegnet werden könnte. Deshalb rät sein Fachausschuss, sehr sorgfältig mit Jungpflanzen umzugehen. Beim Schneiden beispielsweise von Jungbäumen sollte genau auf die Schnittstellen geachtet werden. Falls Verfärbungen an Wurzeln oder Trieben zu sehen sind, dann sei schon mal Vorsicht geboten. Ebenso sei auf die Bodenhygiene zu achten. Eventuell sollten die Betriebe Kulturflächen auf Verticillium-Befall untersuchen lassen.

Daneben informierte sich der Fachausschuss über das Eschensterben (Erreger Chalara fraxinea). Über die Verbreitungsstrategie des Pilzes sei bisher nichts bekannt, dennoch habe er sich auf fast ganz Europa ausgebreitet. In der Schweiz, Österreich und Deutschland sei Chalara fraxinea vermehrt zu finden und zwar im öffentlichen Grün, im Wald und auch in den Baumschulen. Die Anfälligkeit der Arten und Sorten sind laut Heydorn aber sehr unterschiedlich. Fraxinus ornus werde beispielsweise nicht befallen. Dagegen zeigten sich Fraxinus excelsior und deren Sorten 'Atlena' und 'Westhof's Glorie' sowie Fraxinus angustifolia 'Raywood' sehr anfällig. Symptome des Befalls sind den Angaben zufolge schüttere Kronen sowie vertrocknende Blätter und Zweige. Da der Pilz die Leitungsbahnen befällt, sterbe der Baum von oben her ab. An der Rinde bildeten sich gelblich- oder rötlich-braune Nekrosen. Zurzeit gebe es leider noch keine Bekämpfungsmöglichkeit.

Wie Hajo Hinrichs vom Fachausschuss "Immergrüne und Koniferen" zu den Problemen mit Buxus, dem pilzliche oder tierische Erreger zu schaffen machen, sagte, gibt es dazu "noch keine wirklich guten Ratschläge". Die Schäden treten offenbar regional unterschiedlich stark auf, und es habe vereinzelt Teilrodungen gegeben. Außerdem falle es sehr schwer einen passenden Ersatz für Buxus zu finden. Denn egal ob es sich um Euonymus, Taxus oder beispielsweise Ilex crenata-Formen handelt, als Buxus-Alternativen hätten sie doch einige Nachteile: sei es im Preis, Wuchsverhalten oder bei der Winterhärte oder auch durch die zum Teil ungünstigen Schnitteigenschaften.

Wie Hinrichs ferner zum vor allem im Bereich Rhododendron wichtigen Thema Phytophthora ramorum ausführte, gab es im August des vergangenen Jahres ein Beratungsgespräch in Westerstede zwischen Produzenten, Verbandsvertretern und Beratung, um den aktuellen Status Quo festzuhalten. Die Situation sei nach wie vor für die Betriebe inakzeptabel, besonders vor dem Hintergrund des Exportverbots wie beispielsweise nach Norwegen. Denn Phytophthora ramorum gebe es überall in der Natur, andere Arten können teilweise erheblich aggressiver sein und bisher fielen die wirtschaftlichen Schäden durch die zur Eindämmung der Krankheit erlassene Verordnung über vorübergehende Pflanzenschutzmaßnahmen größer aus als durch den Schadpilz selbst. Im Oktober gab es darauf aufbauend ein, so Hinrichs, sehr konstruktives Gespräch zwischen Vertretern des JKI und des BdB. Die angebotene weitere enge Zusammenarbeit nehme man gerne an. Für die Betriebe gelte es nun vorrangig, eine Bearbeitung des Themas in Brüssel zu fordern, um den Status von Phytophthora ramorum zu ändern und somit letztlich den Handel wieder zu ermöglichen.

Laut Walter This vom Fachausschuss Veredlungsunterlagen gibt es nach wie vor große Probleme mit der Behandlung von Bakterienkrankheiten wie dem Wurzelkropf. Thies "Wir sehen im Moment keine Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen. Wir müssen sauber arbeiten und die befallenen Pflanzen ohne Wenn und Aber wegwerfen". Auch die Problematik der Phytoplasmosen wie Apfeltriebsucht, Birnenverfall oder Besenwuchs beunruhigen. Übertragen werden Phytoplasmosen nach bisherigem Erkenntnisstand durch mobile Blattsauger, die sich nur mit entsprechenden Mitteln bekämpfen lassen. Doch leider gebe es keine entsprechenden Mittel mehr am Markt. In diesem Zusammenhang erwähnte Thies, die in der EU gerade erreichte zonale Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die er als einen großen Erfolg für den Berufsstand bezeichnete. Möglicherweise könne aus diesem Pool eine 18b-Zulassung erreicht werden.