Pflanzenschutz

Rückstände von Pestiziden in bienenfreundlichen Zierpflanzen gefunden

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Den Weltbienentag in der vergangenen Woche hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Anlass genommen, um bienenfreundlich vermarktete Blühpflanzen auf Pestizidrückstände zu untersuchen. Demnach konnten bei 40 Prozent der Proben für Bienen hochgiftige Pestizide nachgewiesen werden.

Auf einer Probe Männertreu fanden sich Rückstände von 19 Pestiziden. Foto: Green Solutions

55 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe gefunden

Der BUND hat gemeinsam mit einer österreichischen Partnerorganisation Global 2000 in Österreich und Deutschland die vorliegende Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden insgesamt 35 bienenfreundliche Pflanzen in Bau- und Gartenmärkten, Discountern, Lebensmitteleinzelhändlern und Einrichtungshäusern erworben und anschließend von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von Pestiziden überprüft. 20 dieser Pflanzen wurden demnach in Österreich, 15 in Deutschland gekauft. Auf 40 Prozent aller Proben fanden sich demnach Rückstände hoch bienengiftiger Pestizide, die zum Zeitpunkt des Tests keine Zulassung in der EU haben. Bei neun Proben war sogar mehr als nur ein für Bienen hochgiftiges Pestizid zu finden. Insgesamt konnten laut BUND und Global 2000 ganze 55 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe nachgewiesen werden. Von diesen seien zwölf sogar besonders gefährlich für Honig- und Wildbienen. Ganz besonders belastet sei ein Männertreu gewesen, der insgesamt Rückstände von 19 Wirkstoffen aufwies. Lediglich drei Proben waren unbelastet.

Organisationen erheben Vorwürfe gegen Zierpflanzenanbau

„Unser Test zeigt: Die momentane Praxis im Zierpflanzenanbau ist katastrophal für Bienen und andere Insekten. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Bienen retten und das Insektensterben stoppen. Sie kaufen Blühpflanzen, die vom Handel als bienenfreundlich angepriesen werden. Allerdings können Pflanzen wie Margeriten, Lavendel oder Lupinen durchaus Rückstände bienengefährlicher Pestizide enthalten. Bienen nehmen diese schädlichen Insektengifte über Nektar und Pollen auf, so wird die gut gemeinte Bienenrettung zur Giftfalle“, erhebt Corinna Hölzel, Pestizid-Expertin beim BUND, schwere Vorwürfe.

Empfehlung zu vollständig regional produzierter Ware

Die Mehrheit der Jungpflanzen stamme demnach aus dem globalen Süden wie Kenia oder Kolumbien. Hier gelten die Pestizidverbote der EU nicht, weshalb sie hier auch zum Einsatz kommen. Sie gefährden dort sowohl die Gesundheit von Arbeiterinnen und Arbeitern und belasten auch die Umwelt. Die Rückstände in den Pflanzen, die dann beim Endkunden landen, sind zwar gering, aber weiterhin gefährlich für die hiesigen Bestäuber. „Besonders erschreckend ist, dass vier der in Deutschland gekauften und beprobten Blühpflanzen gar nicht hätten importiert werden dürfen. Denn sie waren mit nicht zugelassenen Wirkstoffen belastet,“ führt Hölzel weiter aus. Aus diesen Gründen fordert der BUND strengere Kontrollen von Importware und empfiehlt den Kauf von Bio-Pflanzen oder vollständig regional produzierter Ware. Den gesamten Testbericht können Sie hier herunterladen.

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