Pflanzenschutz

Sachkundenachweis Pflanzenschutz ungenügend?

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Bedürfen die derzeitige Handhabung von Pflanzenschutzmitteln und die zugehörigen Regularien einer Überarbeitung? Wenn es nach dem Diskussionspapier „Der stumme Frühling“ der deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ginge, dann ja. Die Autoren fordern unter anderem eine Anpassung des Sachkundenachweises Pflanzenschutz. Ebenfalls auf der Agenda: Eine Pesitizid-Abgabe durch die Hersteller.

Die Studie „Der stumme Frühling“ kommt zu dem Schluss, dass die Lerninhalte für den Sachkundenachweis Pflanzenschutz nicht ausreichen, um Anwendern fundiertes Wissen zu vermitteln. Foto: Pixabay

IVA positioniert sich gegen Pestizid-Steuer

Der Vorschlag, Pflanzenschutzmittel-Hersteller, -Händler und -Importeure mit einer Pestizid-Abgabe zur Kasse zu bitten, stößt zumindest auf Verbandsseite auf wenig Gegenliebe. Hier liege „ein tiefer Griff in die Mottenkiste“ vor, wie der Industrieverband Agrar (IVA) verlauten lässt. Schließlich stütze sich diese Betrachtung der Naturforscher auf eine Studie, die bekannte analytische und methodische Mängel aufweise. Auf diese hätten die Autoren „aus wissenschaftlicher Redlichkeit“ hinweisen müssen.

Die Naturforscher sehen eine Pestizid-Abgabe oder -Steuer als Anreizinstrument, „um  auf  eine umweltschonende Pestizidverwendung hinzuwirken.“ „Mit einer solchen Abgabe könnten Schutzmaßnahmen und Forschung zu alternativen Pflanzenschutzkonzepten finanziert und ein ökonomischer Anreiz zu Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln geschaffen werden. Andere Länder wie z.B. Dänemark haben damit gute Erfahrungen gemacht, so dass die Einführung eines solchen Instrumentes auch in Deutschland  erwogen  werden  sollte“, heißt es im Text.

Sachkundenachweis Pflanzenschutz: Lerndokumente überarbeiten

Zudem sei der Sachkundenachweis Pflanzenschutz in seiner derzeitigen Ausprägung nicht genügend, wie es im Diskussionspapier heißt. „Die Lerninhalte des sogenannten Sachkundenachweises für den Erwerb und die Anwendung von Pestiziden reichen nicht aus, um den Anwendern grundlegendes ökologisches und ökotoxikologisches Wissen für einen möglichst umweltverträglichen Pestizideinsatz zu vermitteln“, so die Autoren.

Notwendig sei eine Überarbeitung der Lerndokumente, damit die Anwender die Vorgaben auf den Beipackzetteln besser beurteilen können und entsprechende Fehlanwendungen vermieden werden. „Die Broschüren der Hersteller sind in der Ausbildung an Landwirtschaftsschulen und Universitäten im kritischen Diskurs zu verwenden“, heißt es im Text der Studie weiter.

Diskussionspapier schlägt gestuftes Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel vor

Auch den Modellversuch für ein gestuftes Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel haben die Naturforscher im Auge. „Denkbar wäre eine frühere, aber bezüglich Zeitraum und Anbaufläche stark beschränkte Zulassung mit Begleit-Monitoring unter Feldbedingungen. Wenn nach einer bestimmten Zeit keine negativen Auswirkungen beobachtet wurden, können das Begleit-Monitoring reduziert und die Zulassung räumlich erweitert, zeitlich verlängert und schließlich großflächig und langfristig ausgesprochen werden“, so die Autoren.

Die Kosten für das Monitoring soll der Antragssteller tragen. Zudem regen die Autoren eine Nach-Zulassungsphase an, wie sie bei Arzneimitteln bereits etabliert ist – „so dass nach der Einführung des Produkts über längere Zeiträume Daten zu Umwelteffekten und Monitoringdaten gesammelt werden.“

Die gesamte Studie „Der stumme Frühling - Zur Notwendigkeit eines
umweltverträglichen Pflanzenschutzes“ und weitere enthaltene Forderungen im Hinblick auf die derzeitige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln können Sie hier nachlesen.