Pflanzenschutz

Steigende Importe durch Mangel an Pflanzenschutzmitteln

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Der Mangel an geeigneten Pflanzenschutzmitteln erschwere laut Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) und des Industrieverbands Agrar (IVA) den heimischen Anbau von Obst und Gemüse. Aufgrund dessen befürchte man in naher Zukunft eine steigende Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland.

Der Mangel an wirksamen Pflanzenschutzmitteln ruft die Befürchtungen von steigenden Importen hervor. Foto: Jerzy Górecki / Pixabay

Selbstversorgungsgrad deckt nicht inländischen Verbrauch

Im Obst- und Gemüseanbau seien laut einer Meldung des Zentralverbands Gartenbau (ZVG) kaum wirksame Pflanzenschutzmittel gegen viele Schädlinge zugelassen. Vor dem Hintergrund, dass der Selbstversorgungsgrad bei Obst und Gemüsekulturen in Deutschland unter dem inländischen Verbrauch liege, sei der Anstieg von Importen zwingend notwendig. Beispielsweise liege der Selbstversorgungsgrad bei Äpfeln aktuell 40 Prozent, bei Möhren um die 70 Prozent und bei Kohl lediglich bei 82 Prozent. Nicht selten können heimische Anbauer nur auf kurzfristige Notfallzulassungen zurückgreifen. Resistente Schädlinge werden demnach dafür sorgen, dass Ernterisiken ansteigen werden und der heimische Anbau weiter zurückgedrängt werde.  

Projektgruppe des IVA wertet Datensätze des BVL aus

Um einen Überblick zu erhalten, welche wirksamen Mittel in der Zukunft für bestimmte Obst- und Gemüsekulturen zur Verfügung stehen, wertete eine Projektgruppe des IVA Datensätze aus der Zulassungsliste des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus. Auch weise man darauf hin, dass für ein wirksames Resistenzmanagement mindestens drei verschiedene Mechanismen zur Verfügung stehen sollten. Gerade bei Sonderkulturen sei gerade bei Insektiziden gegen Schädlinge, die gesamte Ernten bedrohen, eine sehr schlechte Verfügbarkeit auffallend. Auch im Apfelanbau gebe es zukünftig wohl nur noch zwei Wirkstoffe mit ausreichender Wirksamkeit. Am dramatischsten gestalte sich die Situation aber bei Kirschen und Steinobst, da auch hier die letzten verbleibenden Wirkstoffe wegfallen werden. Es stehen demnach nur noch Kali-Seifen oder Rapsöl zur Verfügung. Gegen Schildläuse werde es zudem gar keine Mittel mehr für Spritzanwendungen geben.

„Existenzen der landwirtschaftlichen Unternehmer bedroht“

„Der verantwortungsbewusste und fachgerechte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln trägt maßgeblich zur Produktion von qualitativ hochwertigen Lebensmitteln bei. Will man verhindern, dass ganze Anbaugebiete verschwinden und die Produktion ins Ausland abwandert, muss gehandelt werden. Der massive Verlust an Wirkstoffen fördert nicht nur die Entstehung von Resistenzen, er bedroht die Existenzen der landwirtschaftlichen Unternehmer und somit die Existenz der deutschen Kulturlandschaften“, erklärt Jens Stechmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Obst und Gemüse. „Kurzfristige Notfallzulassungen sind auf Dauer keine Lösung für unsere Obst- und Gemüsebauern. Wir benötigen Planungssicherheit und sind auf die ausreichende Verfügbarkeit von Wirkstoffen angewiesen“, ergänzt Christian Ufen, stellvertretender Vorsitzender des BOG.

„Sind auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen“

„Wenn wir etwas aus der Corona-Krise mitgenommen haben, dann ist es eine höhere Wertschätzung für die Produktion von Nahrungsmitteln im eigenen Land. Für eine vollständige Selbstversorgung mit Obst und Gemüse fehlen uns in Deutschland vielleicht die Voraussetzungen, aber wir sollten alles daransetzen, dass in den traditionsreichen Obst- und Gemüseregionen weiter wettbewerbsfähig produziert werden kann. Sonderkulturen, egal ob im ökologischen oder konventionellen Anbau, sind aber auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen. Verschwinden Obst und Gemüse zugunsten von Getreide oder noch mehr Mais, verarmt nicht nur die Vielfalt im Anbau, es geht auch viel gewachsene Kulturlandschaft verloren“, fügt Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des IVA hinzu.

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