Pflanzenschutz

Tomatenvirus ToBRFV: erstmals Befall in Deutschland

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Das Tomatenvirus ToBRFV (Tomato Brown Rugose Fruit Virus) ist erstmals in Deutschland aufgetreten. Laut Julius Kühn-Institut (JKI) wurde ein Befall bislang in sieben Gewächshäusern in Nordrhein-Westfalen bestätigt. Ein weiteres Gewächshaus mit Tomaten wird als vermutlich befallen genannt.

Die Symptome von ToBRFV an Pflanzen und Früchten sind sehr sortenabhängig. Foto: Heike Scholz-Döbelin/LWK NRW

50.000 Tomaten-Pflanzen auf 25 Hektar betroffen

Die Größe des Befallsgebiets gibt das Julius Kühn-Institut mit 25 Hektar und 50.000 Pflanzen an. Als der Befall Anfang Oktober vergangenen Jahres festgestellt wurde, befanden sich die Tomaten-Bestände nach Angaben des zuständigen Pflanzenschutzdiensts kurz vor dem Ende der Kulturzeit. Gepflanzt wurde bereits im Dezember 2017/Januar 2018, die betroffenen Tomaten-Bestände dienten der Fruchtproduktion.

Die Infektion hat sich laut Julius Kühn-Institut sehr schnell innerhalb der Gewächshäuser verbreitet. Rund zehn Prozent der Pflanzen zeigten Symptome. Die Quelle des Ausbruchs ist noch unbekannt. Rückverfolgungsuntersuchungen laufen. Die Jungpflanzen waren nicht in Deutschland produziert worden.

Maßnahmen zur Ausrottung des Tomatenvirus laufen

Als behördliche Pflanzenschutzmaßnahmen wurden bislang durchgeführt:

  • Reinigen der Tomaten-Gewächshäuser
  • Vernichtung der befallenen Pflanzen
  • Desinfektion aller Gewächshaus-Oberflächen und aller Objekte, die an der Tomaten-Produktion oder dem Reinigen der Gewächshäuser beteiligt waren

„Wegen seines hohen Schadpotenzials für die Tomaten-Produktion stellt ToBRFV ein erhebliches phytosanitäres Risiko für Deutschland und andere EU-Mitgliedstaaten dar“, warnte das Julius Kühn-Institut in einer Express-Risikoanalyse kurz vor dem Erstfund des Erregers.

ToBRFV kann bis zu 100 Prozent der Bestände befallen

Das Virus wurde den Angaben zufolge 2015 in Jordanien entdeckt, trat aber bereits 2014 in Israel auf. ToBRFV befällt Tomaten-Pflanzen und führt zu Mosaikfärbungen der Blätter sowie Verfärbungen und Deformationen der Früchte. Bis zu 100 Prozent eines Bestands kann das Virus befallen.

Die verfügbaren Resistenz-Gene in konventionellen Tomaten-Sorten gegen andere sogenannte Tobamo-Viren sind gegen ToBRFV unwirksam. Bisher sei zu wenig über das Virus bekannt, um weitere mögliche Schäden an anderen Pflanzen auszuschließen. Im Freiland könnten potenzielle Wirtspflanzen vorkommen, die letztlich ein Reservoir für neue Infektionen sein könnten.