Pflanzenschutz

toom nimmt Glyphosat aus dem Regal

toom nimmt das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat aus dem Verkauf. Wie die Baumarktkette diese Woche bekannt gab, soll die Umstellung des Sortiments bis 30. September abgeschlossen sein – und damit deutlich vor der anstehenden Entscheidung über die Verlängerung der EU-Zulassung für Glyphosat, wie das Unternehmen unterstreicht. 

toom verzichtet auf den Verkauf von Glyphosat. Werkfoto

16 Produkte von der Sortimentsumstellung bei toom betroffen

Von der Umstellung sind insgesamt 16 Produkte betroffen. Bereits Ende 2013 hatte toom nach eigenen Angaben damit begonnen, rund 60 Prozent der glyphosathaltigen Mittel aus dem Verkauf zu nehmen.

Die Baumarktkette verzichtet nach eigenen Angaben im Verkauf ebenso auf bienengefährliche B1-Mittel. Darunter fallen auch sieben von der Umweltschutzorganisation Greenpeace als besonders problematisch identifizierte bienengefährliche neonicotinoide Wirkstoffe.

Zusätzlich arbeitet toom den Angaben zufolge seit Mitte des vergangenen Jahres eng mit seinen Pflanzenlieferanten zusammen, um den Einsatz der sieben bienengefährlichsten Wirkstoffe auch im Zierpflanzenbau auszuschließen.

Greenpeace will drastische Reduktion von Pestiziden

Greenpeace fordert als Ergebnis seiner neuen Studie „Pestizide und unsere Gesundheit – die Sorge wächst“ eine drastische Reduktion von chemisch-synthetischen Pestiziden in der Landwirtschaft. Vorrangig geht es der Organisation um das Verbot besonders gefährlicher Wirkstoffe.

„Die Forschung muss Alternativen zum Pestizideinsatz und damit ökologische Landwirtschaft fördern“, betont Greenpeace-Sprecherin Christiane Huxdorff. Der Bericht der unabhängigen Umweltschutzorganisation fasst Ergebnisse aktueller wissenschaftlicher Studien zum Einsatz von Pestiziden zusammen.

Die Neubewertung zum Krebsrisiko von Glyphosat zeige, dass bisherige Zulassungskriterien nicht ausreichen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte im März 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Bioland spricht sich für Pestizidabgabe aus

Vor diesem Hintergrund fordert Bioland, den Wirkstoff Glyphosat nicht mehr zuzulassen sowie einen Ausstieg aus der Zulassung besonders gefährlicher Mittel. Zum Schutz der Bienen und Wildinsekten müssen ferner Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid dauerhaft verboten werden, fordert Bioland. Bisher habe die EU-Kommission mit einer Durchführungsverordnung die Verwendungszwecke dieser drei Wirkstoffe nur eingeschränkt.

Zudem spricht sich Bioland für eine Pestizidabgabe nach dem Verursacherprinzip aus. An dem dramatischen Artenverlust habe der breite Pestizideinsatz insbesondere auch von Breitbandherbiziden einen wesentlichen Anteil. Glyphosat sei das meist verkaufte Totalherbizid weltweit.

„Die Pestizidindustrie muss als Verursacher endlich an den externen Kosten des chemisch-synthetischen Pflanzenschutzes beteiligt werden“, so Bioland-Präsident Jan Plagge. Gemeint sind versteckte Kosten für Umweltschäden, Artenverlust, Brunnenschließungen oder Krankheitsbehandlungen. (rve/ts)