Pflanzenschutz

Überraschende Studien-Ergebnisse: weniger CO₂ durch Pflanzenschutz

Überraschendes förderte eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin zutage: Nach Einschätzung einer Forschergruppe um Professor Harald von Witzke, Leiter des Fachgebietes Internationaler Agrarhandel und Entwicklung, leistet der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der deutschen Landwirtschaft einen erheblichen Beitrag zur Begrenzung der nationalen Treibhausgas-Emissionen. 

Professor Harald von Witzke. Foto: privat

Eine Kurzfassung zu den zentralen Ergebnissen der im Januar vorgestellten Studie „Klimaeffekte des Pflanzenschutzes in Deutschland“ kommt vom Industrieverband Agrar (IVA), der das mehrstufige Forschungsvorhaben über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen des Pflanzenschutzes unterstützt.

Die Klimaeffizienz des Pflanzenschutzes zeigt sich in einer Beispielrechnung für Pilzbekämpfungsmittel (Fungizide), so die Studie: „Wenn deutsche Landwirte zur Herstellung der gleichen Menge Ernteguts anstelle von Fungiziden andere Produktionsfaktoren auf zusätzlichem Ackerland einsetzen, würde dadurch nahezu die zwölffache Menge an Treibhausgasen freigesetzt, die bei Herstellung, Transport und Ausbringung der Fungizide entstehen.“ Die spezifischen Treibhausgas-Emissionen für die Produktion einer Tonne Weizen würden nach den Berechnungen der Forscher beim Wegfall der Fungizide um 13 Prozent von 404 Kilogramm je Tonne (kg/t) auf 454 kg/t steigen.

Indirekte Wirkungen wie Landnutzungsänderungen seien noch nicht eingerechnet. Diese könnten je nach Szenario verheerende Einmaleffekte in der Treibhausgasbilanz hervorrufen, heißt es. „Sachgemäßer Pflanzenschutz ist eine wichtige Komponente ökologischer Nachhaltigkeit, weil er dem Landwirt hilft, die knappe Ressource Boden effizient zur Sicherung der Welternährung und zum Schutz von Habitaten und damit auch dem Klima zu nutzen. Zudem entsteht im Rahmen des Emissionshandels durch den Klimaschutzbeitrag ein potenzieller ökonomischer Mehrwert, so dass auch die Säule wirtschaftlicher Nachhaltigkeit neben der ökologischen Nachhaltigkeit gestärkt wird“, so Professor von Witzke.

Um die Klimaschutzleistungen des Pflanzenschutzes in Deutschland zu erfassen, müssten nach Auffassung der Forscher die indirekten Klimaeffekte durch Verlagerung der Emissionen in andere Weltregionen in die Berechnung mit einfließen. Mit einem Weltmarktmodell wurde ermittelt, wo und wie landwirtschaftliche Rohstoffe produziert würden, wenn sie mangels Pflanzenschutz nicht in Deutschland hergestellt werden könnten, denn eine dynamische Nachfrage wird neben landwirtschaftlicher Intensivierung vor allem zu einer geänderten Landnutzung in anderen Weltregionen führen.

Allein bei einem vollständigen Wegfall der Fungizide in Deutschland müssten nach den Berechnungen der Studie etwa 1,2 Millionen Hektar zusätzliches Ackerland in anderen Weltregionen kultiviert werden. Bei einer vollständigen Umstellung auf Ökolandbau wären es sogar 6,5 Millionen Hektar oder mehr als die Hälfte der Ackerfläche Deutschlands. Durch eine solche Umwandlung natürlicher Ökosysteme in landwirtschaftliche Nutzfläche würden in der Modellrechnung „ohne Fungizide“ einmalig über 260 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente freigesetzt.

Sollte die deutsche Landwirtschaft vollständig auf Ökolandbau umgestellt werden, hätte dies durch die Landnutzungsänderung an anderer Stelle einmalig zusätzliche Emissionen von 1,4 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten zur Folge. Dies wäre der 1,5-fache Wert der gesamten jährlichen Treibhausgas-Emissionen aus allen Sektoren in Deutschland (2010: 937 Millionen Tonnen).

Die Studie „Klimaeffekte des Pflanzenschutzes in Deutschland“ steht im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung. (iva)