Pflanzenschutz

Umweltbundesamt: fragwürdige Zahlen zum Pflanzenschutz?

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Das Umweltbundesamt (UBA) fordert mehr Flächen, auf denen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, um die Artenvielfalt zu schützen. Der Absatz von Pestiziden habe sich in Deutschland von 1994 bis 2015 deutlich erhöht. Hersteller- und Größhandler haben sich bereits zu Wort gemeldet und sprechen von einem „selbstgemachten Trend“ auf der Grundlage von aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen.

Zu den Wachstumstreibern der UBA-Statistik zählen vor allem die Herbizide, darunter auch Glyphosat, die rund ein Drittel (34 Prozent) der aufgeführten Pflanzenschutzmittel ausmachen. Foto: Pixabay

IVA: UBA verwendet fragwürdigen „Kunstgriff“ bei Pflanzenschutzmittel-Absatz

Nach Ansicht des Industrieverbands Agrar (IVA) hat das Umweltbundesamt einen fragwürdigen „Kunstgriff“ verwendet. Denn ausgerechnet 1994 sei von historisch niedrigen Absatzzahlen von Pflanzenschutzmitteln geprägt worden. So erkläre sich auch der Anstieg von 30.000 auf 40.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel pro Jahr.

Mehrere Faktoren hätten für den niedrigen Absatz von 1994 eine Rolle gespielt: in den neuen Bundesländern liefen die Aufbrauchfristen für DDR-Altprodukte aus. Zusätzlich wurden zahlreiche landwirtschaftliche Flächen stillgelegt, so der IVA. Geradezu „peinlich“ findet der Verband, dass das UBA auf einen Referenzwert zurückgegriffen habe, den das Essener RWI Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung im vergangenen Jahr bereits als „Unstatistik des Monats“ gebrandmarkt hatte.

Umweltbundesamt: Pestizid-Einsatz nicht folgenlos für Umwelt

Die Kritik des Umweltbundesamts bleibt trotz dieses Zahlenspiels unverändert: „[…]Auch der intensive Einsatz von Pestiziden auf Äckern und Feldern bleibt nicht folgenlos für die Umwelt. Zahlreiche Studien belegen, dass das Insektensterben im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln steht“, so das Ministerium. 8,8 Kilogramm Pflanzenschutzmittel, was einem Wert von 2,8 Kilogramm Wirkstoff entspricht, entfallen laut UBA pro Jahr auf einen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

Zu den Wachstumstreibern der UBA-Statistik zählen vor allem die Herbizide, darunter auch Glyphosat, die rund ein Drittel (34 Prozent) der aufgeführten Pflanzenschutzmittel ausmachen. Das Ministerium fordert nun einen verminderten Einsatz von Herbiziden. Nichtchemische Alternativen sollen an ihre Stelle rücken. „Um die schädlichen Auswirkungen der Herbizide zu kompensieren, braucht es mehr Flächen in der Landschaft, auf denen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden: Brachen und Blühstreifen, um bedrohten Vogel- und Insektenarten Lebensraum und Nahrungsgrundlage zu erhalten“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde.

Auch Umweltschützer bemängeln den Rückgang von Flächen mit hohem sogenannten Naturwert. Hier sei der Anteil von 13,1 Prozent (2009) auf 11,4 Prozent (2015) zurückgegangen, so das UBA. Allerdings erfreulich: Die Stickstoffbelastung der landwirtschaftlich genutzten Flächen geht zurück. 1993 schlugen noch 118 Kilogramm Stickstoff pro Hektar im Jahr zu Buche, während es 2013 noch 97 Kilogramm waren.