Weihnachtsbäume: zu viele Pestizid-Rückstände?

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Holen sich Verbraucher mit dem Weihnachtsbaum gleichzeitig einen Gift-Cocktail ins Haus? Das wollte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wissen und hat stichprobenartig die Nadeln von 17 Bäumen auf Rückstände von Pestiziden untersuchen lassen.

Drei von vier Weihnachtsbäumen mit Pestiziden belastet

Bei gut dreiviertel der analysierten Weihnachtsbäume wurde das vom BUND mit der Analyse beauftragte unabhängige Labor tatsächlich fündig. Laut der Umwelt- und Naturschutzorganisation waren die Nadeln von 13 Bäumen mit insgesamt neun verschiedenen Pestiziden belastet, „von welchen fünf zu den gefährlichsten zählen, die derzeit in der EU eingesetzt werden“.

Spitzenreiter war demnach das Insektizid Lambda-Cyhalothrin, das in den Nadeln von gleich neun Weihnachtsbäumen gefunden wurde. Laut BUND gilt der Wirkstoff „als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid“, da es unter anderem Nervenzellen und das Hormonsystem schädigen kann und zudem toxisch für Bienen und Wasserlebewesen ist.

Ebenfalls nachgewiesen wurde der als E 605 bekannte, innerhalb der EU nicht mehr zugelassene Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Parathion-Ethyl, der als Insektizid und Akarizid wirkt, sowie das Totalherbizid Glyphosat.

BUND: hohe Mehrfachbelastung beunruhigend

„In Weihnachtsbaumplantagen werden jede Menge Herbizide, Insektizide und Fungizide eingesetzt. Auffällig und beunruhigend ist die hohe Mehrfachbelastung, viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizid-Cocktail ausgesetzt“, so die BUND-Pestizid-Expertin Corinna Hölzel.

In über der Hälfte der getesteten Weihnachtsbäume fand das Labor demzufolge mindestens zwei verschiedene Pestizide, ein Baum war laut BUND sogar mit vier Wirkstoffen belastet. Laut BUND stammen die untersuchten Bäume überwiegend aus deutscher Produktion und wurden für den Test von Mitarbeitern der Organisation in Baumärkten, Gartencentern sowie im Straßenverkauf gekauft.

Händler reagieren auf Weihnachtsbaum-Test

Einige der im Test genannten Händler (siehe Grafik) haben laut BUND unmittelbar nach Veröffentlichung der Ergebnisse reagiert und ihre Weihnachtsbaum-Lieferanten kontaktiert. „Der hagebaumarkt in Gemünden, in dessen Sortiment der Baum mit dem illegalen Pestizid gefunden wurde, hat sehr konsequent und verantwortungsvoll gehandelt und verkauft jetzt nur noch Öko-Weihnachtsbäume“, teilt der BUND mit.

Generell empfiehlt die Umweltschutzorganisation Verbrauchern in diesem Zusammenhang zum Kauf von zertifizierten Bio-Weihnachtsbäumen, bei deren Erzeugung nachweislich auf den Einsatz gefährlicher Pestizide verzichtet wurde. Denn: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pestizide in geschlossenen und beheizten Räumen in die Raumluft ausdünsten“, wie Hölzel betont.

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