Pflanzenschutz

Weihnachtsbaumproduktion: Spätfrostschäden mit „blauen Augen“

Eine Dokumentation in Brandenburg soll helfen, künftig Frostschäden an Weihnachtsbäumen zu vermeiden. Das Brandenburgische Neustadt/Dosse und der in der Nähe gelegene Ort Zernitz waren Treffpunkte für die Sommertagung der Interessengemeinschaft der Jung-Weihnachtsbaumanbauer IGW, ihr 19. Treffen insgesamt. Eines der Sitzungsthemen waren die Frostschäden im Mai dieses Jahres. Durch die bundesweite Verbandsstruktur gab es Einblicke in viele Anbauregionen. Insgesamt seien die Anbauer aber mit einem blauen Auge davongekommen, fasste es der erste Vorsitzende, Peter Geiß, zusammen.

 

Stark spätfrost-geschädigte Nordmanntannen neigen dazu, anschließend überlange Terminaltriebe zu bilden.Fotos: Liebgard Jennerich

dessen Pflanzen noch nicht ausgetrieben hatten. In Dänemark seien die Temperaturen niedriger gewesen, was beispielsweise an den Jungpflanzen 3/0 zu größeren Schäden bei einem großen Produzenten in Südjütland geführt habe.

 

Spätfrostgefährdet haben sich auch Kulturen auf leichten, sandig-kiesigen Böden und in höheren, freien Lagen gezeigt. Wenn überhaupt, waren vornehmlich Kulturen im zweiten/dritten Standjahr betroffen oder solche in verkaufsfähigem Alter, und zwar die früh austreibenden, russischen Herkünfte, die nun nur noch zweite Wahl hergeben.

Ungewöhnlich, dass sowohl Boden- als auch Luftfrost auftraten, der starke Erfrierungen insbesondere an den weit ausgetriebenen vier- bis fünfjährigen Bäumen verursachte, wie Holger Strübbe aus dem Kreis Steinburg meldete. Aus dem Westerwald wurden größere Schäden, allerdings an Blaufichten durch einen Nachtfrost um den 15./20. Mai herum gemeldet.

Schwarzwald und Bodensee-Region waren ohne Schäden, ebenso wie Mecklenburg-Vorpommern, wie IGW-Neumitglied Benedikt Galle-Schneebecke sagte, dessen Haupt-Betriebsstandort in Tecklenburg/Kreis Steinfurt liegt.

In der Region Zernitz kam der Spätfrost mit minus drei Grad in der Nacht des 5. Mai. Matthias Jung hatte eine genauere Analyse der Frostschäden in seinen Kulturen vorgenommen und geschädigte Pflanzen vier bis fünf Stunden nach dem Frostereignis fotografisch dokumentiert. Dabei stellte er fest, dass die Bäume teilweise nur einseitig Erfrierungen aufwiesen, unabhängig von der Baumart (Nordmanntanne, Fichte, Korktanne), sogar bei den Stroben kam es zu Frostschäden. Entgegen der Erkenntnis von Markus Schauer, dass besonders Kulturen an Osthängen gefährdet sind, weil dort die Morgensonne durch unterschiedliche Tauvorgänge zu Spannungen und Zellzerstörungen führt, traten in den Kulturen von Jung eher an der Südseite der Bäume Schäden auf, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung.

Jung hatte auch Probepflanzungen von Jungpflanzen in Jiffys (Herkünfte Tschemtschugi und Arkhyz) durchgeführt. Den Frost überstanden die Jiffy-Pflanzen besser als die konventionell gesetzten 2/1er Jungpflanzen, dennoch blieb der Luftfrost nicht ohne Folgen, sowohl bei den Jiffys als auch bei den größeren Bäumen, bei denen nicht nur die bodennahen Austriebe erfroren, sondern auch die höheren.

Zur Schadensbegrenzung hat sich Jung entschlossen, bei den Bäumen des zweiten bis vierten Standjahres nach dem weiteren Austreiben einen Formschnitt durchzuführen. Diese Tannen waren schon ausgetrieben, während sich die Bäume im ersten und ab dem fünften Standjahr wegen des späteren Austriebs weitgehend frostschadenfrei erwiesen. Die Dokumentation der weiteren Entwicklung der geschädigten Bäume soll Erkenntnisse für die Zukunft bringen, wie solche Schäden zumindest minimiert werden können. Schon jetzt sei erkennbar, dass die Nordmanntannen nach den Spätfrostschäden ihre vorhandene Energie in die Terminale leiten und damit unerwünscht lange Spitzentriebe entstehen. Stärkere Frostschäden seien zwar nicht aufgetreten, für Matthias Jung haben sie dennoch zwei blaue Augen hinterlassen. Der Weihnachtsbaumanbau in Brandenburg gehe aber weiter. Ein ausführlicheres Firmenporträt von Tannen-Jung folgt.

(Liebgard Jennerich)